Schluss mit dem Ladenschluss?

Vor der Fußballweltmeisterschaft, als zum ersten mal die Diskussion um längere Ladenöffnungszeiten im Rahmen der WM aufkam, habe ich die Meinung vertreten, dass dies nur der Türöffner für eine generelle Aufhebung sei. Wie es so aussieht, habe ich damit wohl Recht behalten.

In dem Rahmen, der ihnen die Föderalismusdeformierung geschaffen hat, gehen jetzt die meisten Bundesländer großzügig mit der Schere an die bisherigen Ladenöffnungszeiten ran. Vom Stammtisch, über den Boulevard bis hinein in die Redaktion ernstzunehmer überregionaler Zeitung gibt es zur Freigabe der Ladenöffnungszeiten die unterschiedlichsten Ansichten. Befürworter und Gegner stehen sich dabei an einem so tiefen Graben gegenüber, dass es schwer fällt, diesen mit sachlichen Argumenten zu füllen, um so eine Brücke zu schlagen.

Besonders die Befürworter einer Aufhebung der Ladenschlusszeiten greifen dabei gerne in die Kiste mit den schäbigen Argumenten. So wird angeführt, dass zum Beispiel auch Taxifahrer und Krankenschwestern 24/7 zur Verfügung stehen müssten. Oft gehört wird auch die Aussage, dass niemand gezwungen würde, eine Stelle mit solchen Arbeitszeiten anzunehmen – wer sich etwas mit den neuen Regelungen für Empfänger des Arbeitslosengeldes II auskennt, wir dieser Argumentation so nicht unbedingt folgen.

Statt aber an das so nicht mehr vorhandene soziale Gewissen zu appellieren, bietet sich eigentlich zur Verteidigung der bisherigen Regelung eher der Egoismus als beste Strategie an.

Auch die fleißigsten Befürworter werden nicht bestreiten können, dass durch eine Aufhebung der Ladenschlusszeiten die in Deutschland zur Verfügung stehende Geldmenge plötzlich explosionsartig zunehmen wird. Für Geschäfte bedeutet dies, dass es bei gleich bleibendem Umsatz nur den Effekt einer breiteren Streuung geben wird. Zu beobachten war dies bereits nach der Einführung des Dienstleistungsdonnerstags und der Lockerunge der Einkaufszeiten am Samstag. Die Kunden kaufen nicht mehr ein, sondern die kaufen zu unterschiedlicheren Zeiten ein.

Um diese Zeiten abzudecken, wird ein zusätzliches Verkaufspersonal benötigt. Mehr Personal verursacht mehr Kosten (den Fall, das das gleiche Personal deutlich mehr Stunden für das gleiche Geld leisten wird, lassen wir an dieser Stelle unberücksichtigt). Zusätzlich zu den Personalkosten steigen auch die allgemeinen Betriebskosten. Beides zusammen schmälert die Gewinne, was wir wir alle wissen, nicht hingenommen wird. Weder von den Inhabern noch von den Aktionären.

Um also mindestens auf die bisherige Höhe der erzielten Gewinne zu kommen, bieten sich zwei Stellschrauben an. Billigeres Personal und höhere Preise.
Billigeres Personal führt aber gerade in Fachsgeschäften dazu, dass Kunden wesentlich schlechter, wenn überhaupt noch, beraten werden. Das wäre dann für die deutsche Servicewüste noch mehr Sand.

Für den schlechteren Service darf der Kunde zusätzlich auch noch mehr bezahlen. Und er wird mehr bezahlen, so sicher wie das Amen in der Kirche. Nicht ohne Grund wird zur Zeit mit Hochdruck an der Freigabe der Ladenöffnungszeiten gearbeitet, denn die damit verbunden Preiserhöhung lässt sich sehr schön im nächsten Jahr mit der steigenden Mehrwertsteuer kaschieren.

Wer jetzt lauthals ruft, dass doch niemand zu längeren Geschäftszeiten gezwungen wird, der unterschätzt die Macht des Marktes. Er sollte aus seiner Traumwelt aufwachen, seine Augen reiben und die Fachgeschäfte und Tante-Emma-Läden suchen, die bereits schon seit Jahren verschwunden sind, weil sie dem Druck und Preiskampf nicht mehr standhalten konnten.

Fassen wir also noch mal zusammen. Die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten bringt uns als Kunden weniger Service und Beratung, höhere Preise und wird durch schärferen Verdrängungswettbewerb die Auswahl verkleinern. Allein aus purem Egoismus sind daher Veränderungen am bisherigen Ladenschlussgesetz abzulehnen.

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