Majestätsbeleidigung

Majestätsbeleidigung

Wer ein dünnes Fell hat, auf Anfeindungen und Satire empfindlich reagiert oder sogar die Gerichte bemüht, sollte nicht Politiker werden. Wenn ein bekanntes deutsches Satiremagazin einen Politiker mit einem frechen Spruch auf die Titelseite bringt, hat das im allgemeinen wenig mit verletzten Persönlichkeitsrechten zu tun.

Daher zeigt der Fall Kurt Beck gegen TITANIC eigentlich nur, wie humorlos deutsche Politiker geworden sind. Es stellt sich der Eindruck ein, daß einige von ihnen am liebsten wieder den Straftatbestand der Majestätsbeleidigung einführen möchten.

Wie harmlos im Grunde das Titelbild der aktuellen Ausgabe von TITANIC ist, zeigt dieses nachgestellte Bild (das Original gibt es noch am Kiosk oder auf der Webseite des Verlages):

Die Bestie


Wer da nicht schmunzelt, geht auch sonst zum lachen in den Keller. Vermutlich ist aber die Absicht, die hinter der Klage steckt eine ganz andere. Kurt Beck will den Menschen in Deutschland einfach vor Augen führen, daß sie künftig nichts zu lachen haben werden.

[via law blog]

4 Replies to “Majestätsbeleidigung”

  1. Zu kurz gedacht, Thomas. Klar, die Meinungen gehen auch bei uns Sozis auseinander, aber eines ist auch nicht ganz von der Hand zu weisen, nämlich das, was Kurt u. a. dazu gesagt hat:

    „Wenn Sie immer wieder mit konkreten Morddrohungen im Alltag zu tun haben, dann ist der Humor, der sich dahinter verbergen soll, zumindest mir verborgen geblieben.“

    Da kann man wirklich ins Grübeln kommen. Andererseits kennen wir ja die Titanic…. ;-)

  2. Die Meinungen sollen ja auch auseinander gehen. Aber dazu muss die Satire eben erstmal dasein können. Um den Ewigen Kurt zu zitieren: Satire „ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht. Sie bläst die Wahrheit auf, damit sie deutlicher wird, und sie kann gar nicht anders arbeiten als nach dem Bibelwort: Es leiden die Gerechten mit den Ungerechten.“

  3. Fassen wir das noch mal zusammen: Kurt Beck ist ein Person der Zeitgeschichte. Insofern gelten andere Spielregeln als bei den einfachen Bürgern. Dazu gehört dann auch, daß man bestimmte Ereignisse differenzierter betrachten muß. Sicher, es mag sein, daß Kurt Beck Morddrohungen erhält. Das ist zwar bedauerlich, aber für eine Person im Rampenlicht ist es nicht ungewöhnlich.

    Die Titanic ist, wie auch auf dem Titelplatz in der Regel immer zu lesen ist, ein Satire Magazin. Satire, die nicht beißt, ist sinnlos. Das sollt auch Herrn Beck bekannt sein. Ebenso wenig neu ist es, daß die Titanic gerne Grenzen überschreitet, wie zum Beispiel im Fall Barschel mit einem Foto, über das auch intensiv diskutiert wurde (aber Barschel war ja kein Sozialdemokrat…)

    Insofern wäre es für Beck einfach das beste gewesen, mit den Schultern zu zucken und die Zähen zusammen zu beißen. Sicher ist das Cover für ihn unerfreulich. Nur so wie es sich jetzt darstellt, hat er durch sein Vorgehen den Schaden maximiert.

    Ganz anders wäre die Sache dann zu beurteilen gewesen, wenn das Titelbild in der Form nicht die Titanic, sondern die BILD geziert hätte. Wobei die Mordaufrufe in der BILD sich für gewöhnlich nicht gegen deutsche Politiker richten.

  4. Knallt die Bestie ab! Titanic trifft Kurt Beck

    Foto: Ausriss Titanic-Titelseite (Ausgabe 07/2006) Das altehrwürdige Satiremagazin Titanic hat es mit der aktuellen Titelseite tatsächlich mal wieder geschafft, einen hochkarätigen Spitzenpolitiker aus der Reserve zu locken. Zeigt diese doch einen lachenden SPD-Vorsitzenden mit der Schlagzeile „Problembär außer Rand und Band: Knallt die Bestie ab!“… [ Weiter: http://heuteblog.de ]

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren