Zu Gast mit Fahne

Der gemeine deutsche Hängebauch-Scheich schaut sich die Fußballweltmeisterschaft in aller Ruhe vom heimischen Sofa aus an. In der Regel bleibt er friedlich, solange das Personal (=Freundin, Ehefrau etc.) rechtzeitig den Biervorrat auffüllt und auch sonst keine Gelegenheit auslässt, das äußerst anstrengende Anfeuern der eigenen Mannschaft zu unterstützen – durch Bereitstellung von Knabbereien und handfesterer Nahrung.

Im Falle eines Sieges der eigenen Mannschaft wird der Hängebauch-Scheich, der sich sonst nur durch lautes Gebrüll vom Sofa aus verständigt, regelrecht aktiv, ja sogar nachtaktiv. Seine überschwängliche Freude kennt keine Grenzen, so daß er auf den Balkon, leider aber nicht davon runter, stürzt und die Nachbarn über den Ausgang des Spieles informiert. Dazu schwenkt er die Landesfahne, während seine andere in Folge der anstrengenden Tätigkeit vernehmbar ausdünstet.

Unfreundlich wird der Hängebauch-Scheich nur, wenn sich Fremde auf dem Rasen vorm Haus tummeln, denn die Grünfläche ist als Klo für seinen Dackel reserviert. Schnell passiert es dann, daß der Sabber im über das Rippshirt läuft, während er sich bewusstlos kreischt. Dem schwarzafrikanischen Picknickklub junggebliebener Ingenieure mit Frauen fern in der Heimat stört das wenig, denn sie bitten einfach den türkischen Mitbewohner, das Radio lauter zu drehen.

Den Hängebauch-Scheich bringt das dann vollständig aus der Fassung. Während er auf das Bild von Opa schaut, denkt er sehnsuchtsvoll an bessere Zeiten – als Gäste noch Gäste waren und von selber wussten, wann sie besser wieder gehen sollten. Noch über solches und allerlei anderes grübelnd, bemerkt der Hängebauch-Scheich den Beginn des nächsten Spieles, was willkommener Anlass für ein weiteres Bier aus der gewohnten braunen Flasche ist.

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