Die Ruhe des Spießers vorm Elfmeter

Es ist wirklich spießig, auf die Einhaltung der Nachtruhe selbst bei einer Fußballweltmeisterschaft zu pochen? Vor allem, was zeichnet einen Spießer aus? Etwa, das er einer geregelten Arbeit nachgeht und auf den Schlaf angewiesen ist, um diese nicht zu verlieren? Gehen wir mal zurück zu den Wurzeln des Begriffes.

Im Mittelalter verteidigten einfache Bürger ihre Heim(at) mit Spießen gegen Eindringlinge. Als Waffe war ein Spieß vor allem gegenüber berittenen Truppen sehr effektiv. Vom reinen Begriff für waffentragendes Fußvolk entwickelte sich der Begriff im Laufe der Zeit. Wie bei Wikepedia zu lesen ist, charakterisierte der Schriftsteller Ödön von Horváth vor 76 Jahren den Spießer wie folgt:

„Der Spießer ist bekanntlich ein hypochondrischer Egoist, und so trachtet er danach, sich überall feige anzupassen und jede neue Formulierung der Idee zu verfälschen, indem er sie sich aneignet.”

Auffällig in diesem Zitat ist die Betonung, daß der Spießer sich anpasst. Ich habe eher den Eindruck, daß Frau Pia und andere (mich eingeschlossen) zu einer schützenswerten Minderheit gehören, die gegen den Terror durch die fußbalbegeisterte Mehrheit anschreiben.

Sicher es kann auch als egoistisch ausgelegt werden, auf die Einhaltung einer allgemeinverbindlichen Lärmschutzverordnung zu pochen. Generell bin ich aber ein Freund des Kategorischen Imperativs. Erst die gegenseitige Rücksichtnahme ermöglicht es Menschen überhaupt, in größeren Gemeinschaften zusammen zu leben. Aussage wie „Wem es zu laut ist, der kann aufs Land ziehen” ist wenig konstruktiv und verhindern ein friedfertiges Miteinander.

Oder um es deutlicher zu sagen: Wenn ihr euren scheiß Fußball unbedingt so laut feiern wollt, geht doch in die Sahara. Da stört ihr höchstens die Kamele.

Ich für meinen Teil brauche meine Nachruhe. Aber wir könnten den Gröhlern ja auch einen Deal vorschlagen. Wenn sie unbedingt unsere Nachtruhe stören müssen, dann können sie auch für uns am nächsten Tag arbeiten (natürlich kriegen wir die Kohle…) gehen. Mal sehen, ob ihnen dann noch immer danach ist, bis tief in die Nacht Rambazamba zu machen.

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