Ekelerregend, Frau Schwarzer!

Ein offener, möglicherweise aber nie abgeschickter Brief:

Sehr geehrte Frau Schwarzer,

bereits im letzten Herbst sind Sie mir unangenehm aufgefallen mit Ihrer einseitigen Parteinahme für die damalige Kanzlerkandidatin Angela Merkel. Ungeachtet ihrer politischen Aussagen und sonstigen Qualitäten habe Sie für Frau Merkel Stellung bezogen, einzig und allein aus dem Grund, weil Frau Merkel eine Frau ist. Ob das der Sache der Gleichberechtigung gedient hat, sei mal dahingestellt. Ich jedenfalls war schwer enttäuscht. Noch vor ein paar Jahren hielt ich große Stücke auf Sie. Ihr Buch Der „kleine Unterschied” hatte mich sehr beeindruckt und mir geholfen, meine einseitig männliche Sicht zu erweitern. Ich hatte sie auf Grund Ihrer Veröffentlichungen für wesentlich klüger gehalten, als Sie sich im Herbst aufgeführt haben.

Nun, es sieht so aus, als ob ich mich erneut getäuscht in Ihnen getäuscht habe. Trotz seiner Sympathie für den verstorbenen Diktator Slobodan Milosevic setzten sie sich zur Zeit für Peter Handke ein. Mit Verlaub Frau Schwarzer, aber das ist ekelerregend! Versuchen Sie nur deshalb opportun zu sein, um Aufmerksamkeit zu erregen? Was kommt als nächstes? Ein Artikel in der Emma über den großen Frauenversteher Adolf Hitler?

Bei Ihnen steht als Berufsbezeichnung „Journalistin”. Sie müssten doch in der Lage sein, Fakten sauber von Polemik zu trennen. Wie kommt es dann, daß Sie von Hanke behaupten, er hätte Serbien in Schutz genommen, während die restliche Welt es verteufelt hätte? Niemand hat Serbien verteufelt. Zu keiner Seit. Die Weltöffentlichkeit hat aber die von Serben (und auch von anderen) grausamen Taten im ehemaligen Jugoslawien verurteilt. Mit ihrer Parteinahme für Handke stellen Sie sich auf eine Seite, deren Positionen höchst fragwürdig sind. Das International Criminal Tribunal for the former Yugoslavia (ICTY) ist auch wohl kaum eine Form von Siegerjustiz.

Ganz ohne Gruß,

Thomas Boley

Es betrübt mich zu sehen, daß Frau Schwarzer eine der Personen ist, die sich im laufe der letzten Jahre so verändert haben, daß ich sie nicht wiedererkenne. Das scheint aber auch ein Phänomen ihrer Generation zu sein. Auch Politiker und andere Personen des öffentlichen Lebens vertreten mittlerweile Standpunkte, für die sie sich noch von zehn Jahren geschämt hätte. Ich hoffe, daß ich in ein paar Jahren nicht an einen Punkt angelange, wo ich nicht mehr in den Spiegel schauen kann.

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