ESC 2006

Wenn ich jetzt etwas länger benötigt habe, um über den Eurovision Song Contest 2006 zu bloggen, dann liegt das daran, daß ich erstmal das traumatische Erlebnis verarbeiten musste.

Gut, ich hätte es nun wirklich besser wissen müssen. Das mein Favorit, Texas Lightning no no never den Hauch einer Chance hatte, war doch klar. Punkte werden nicht nach Qualität, sondern nach ethnischem Zugehörigkeitsgefühl vergeben – was damit dann auch die relativ hohe Platzierung drittklassiger Songs aus Osteuropa erklärt.

Der einzige Trost am Sieg von Finnland mit der Gruppe lordi ist der, daß Ralf Siegel (der diesmal mit seinem Talent die Schweiz beglückt hat) jetzt kotzend über der Kloschüssel hängt.

Bei der Qualität des deutschen Songs kommt schnell die Frage auf, ob wir dauernd deshalb verlieren, weil wir den zweiten Weltkrieg verloren haben. Nun, wenn wir ihn gewonnen hätten, würde zumindest überall unsere Marschmusik gespielt werden. Aber das sind allzu düstere Gedanken.

Fakt ist einfach, das der ESC immer mehr zu einer Schmierenkomödie verkommt (Kritische Stimmen werden an dieser Stelle fragen, ob er das denn nicht schon immer war), die der Fernsehzuschauer über saftige Gebühren finanziert. Mal anders gefragt: Braucht ein Sänger oder eine Gruppe von Weltklasse wirklich den ESC? Die Topstars des internationalen Musikgeschäftes habe ich jedenfalls in den letzten Jahren noch nie dort gesehen.

Wenn der ESC dazu dient, neue Talente zu fördern, warum hört dann keiner mehr was von den angeblichen Talenten nach dem ESC ?

Texas Lightning und seine fabelhafte Sängerin Jane Comerford hätten wirklich einen besseren Platz verdient, aber nötig haben sie ihnen nicht. Sie sind einfach gut, auch wenn nicht jeder Country Musik mag. Ihr einziges Problem war wohl, daß sich die Qualität des Songs „No no never” erst beim zweiten und dritten Mal hören erschließt, einen dann aber nicht mehr loslässt.

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