Blogger sind käuflich

Über die A(uto)-Blogger habe ich mich bereits ausgelassen und für die Notebookaktion von AMD beworben. Jetzt erreicht mich eine eMail von BuzzParadise, in der mir ein Mobiltelefon von LG zu Testzwecken angeboten wurde. Na gut, dachte ich mir. Ist zwar weder ein Auto noch ein Notebook, aber nun denn. Wer keine Rampensau ist, sollte froh sein, wenn er überhaupt ein paar Krumen abbekommt.

Bevor ich aber in einer Antwortmail meine Bereitschaft zum Ausdruck bringen konnte, an der Aktion teil zu nehmen, stolperte ich beim bembelkandidaten über einen Eintrag. Ein mir nicht näher bekannter Blogger wende sind, wie es beim bembelkandidaten heißt, angewidert vom bloggen ab – auf Grund moralischer Entrüstung über solche Werbeaktionen.

Wow! Was für eine Reaktion! Hat er tatsächlich 100% authentische Ehrlichkeit von Bloggern erwartet? So naiv kann doch nun wirklich keiner sein. Abgesehen davon, daß ich nicht glaube, daß Frau Pia und die drei anderen auf Grund des Opels jetzt zu schlechteren Menschen geworden sind: Was ist denn dann mit den ganzen in der Werbung auftretenden Schauspielern? Werden die dann auch boykotiert?

Mein Gott, was glaubt ihr denn, was die Bloggspähre ist? Der heilige Gral der moralischen Entrüstung? Doch wohl eher das oft zitierte (und etwas überstrapazierte) Dorf.

Wie es in einem Dorf zugeht, sollte jedem klar sein. Da wird geklatscht und getratscht, Sorgen miteinander geteilt und ja, manchmal macht sich auch der Neid bemerkbar, wenn der Nachbar ein neues Auto vor der Tür hat. So sind wir Menschen halt gestrickt.

Verwerflich ist das noch lange nicht. Wer sich über bloggende Autofahrer und autofahrende Blogger im vermeintlich heiligen Zorn aufregt, sieht die wahren Probleme nicht. Auf der politischen Bühne tobt die Schlacht um Kürzungen bei sozial Schwachen, Beschneidung der Bürgerrechte, föderale Verschlimmbesserung und ähnliches. Will da wirklich jemand behaupten, daß er aufhört mit dem bloggen, weil eine Firma geschicktes Marketing und Mitarbeit einiger Blogger betreibt?

Ganz ehrlich, dafür gibt es nur einen Begriff: Neidmimose. Oder wäre Kleingeist besser? Statt gegen die wirkliche Ungerechtigkeit anzuschreiben, beleidigte Leberwurst zu spielen, ist eine Verhaltensweise, die oft im Kindergarten und Sandkasten zu beobachten ist.

Erwachsene Menschen sollten da eigentlich wesentlich reifer sein. Vor allem, soll das etwas eine Art Erpressung sein? In der Art „ hört auf, euch von Opel kaufen zu lassen, oder ich blogge nicht mehr”? Bei so einer starken Reaktion auf eine Kleinigkeit hätte ich angesichts des entsetzlichen Zitates von Franz Müntefering „ Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen” mindestens einen mehrtägigen Hungerstreik vor dem Arbeitsministerium erwartet.

Wie es aber aussieht, hat der Marc nach seinem zu tränen rührenden Abschiedsbrief noch einen weiteren Eintrag verfasst. Also geht es wohl doch weiter bei ihm, oder wie sieht es jetzt aus? Fishing for compliments wird so was auf Englisch genannt.

Ich für meinen Teil wünsche der Frau Pia (und auch den anderen dreien) noch viel Spaß mit dem Auto und freu mich dann schon auf das Handy, wenn ich es denn bekommen sollte (auch wenn mir das Notebook von AMD lieber gewesen wäre).

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