Anstandsloch

Beständig beklagen sich Politiker aller Koalitionsparteien über das vermeintliche Haushalsloch in der Staatskasse. Gleichzeitig stellen sie laut Überlegungen an (hat denen noch keiner beigebracht, daß es besser ist, leise zu denken und erst das ausgereifte Ergebnis der Öffentlichkeit zu präsentieren?), wie diese zu stopfen sei. Meistens reicht ihre Phantasie gerade aus, um neue Kürzungsorgien an die Wand zu malen.

Ein anderes Loch wird aber kaum bemerkt: das Anstandsloch. In diesem verschwand schon vor Monaten der letzte Rest von sozialem Gewissen. Anders ist es kaum zu erklären, daß gut genährte Unionspolitiker sich für eine Kürzung des Arbeitslosengeldes II auf 331 Euro aussprechen. Dabei reicht bereits der jetzige Regelsatz von 345 Euro nicht aus und mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer steht nächstes Jahr eine indirekte Kürzung bevor.

Es wird sich lauthals über den angebliche Verfall der Sitten an deutschen Schulen ausgelassen. Dabei sind die Kinder und Jugendlichen nur das Abbild einer Gesellschaft, in der sich zunehmend wieder das Gesetzt des Stärkern (bzw. Besserverdienenden) durchsetzt.

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