Prügelndes Potsdam

Eines vorweg: Für das Opfer ist es relativ egal, ob die Tat aus rassistischen Motiven erfolgte oder nicht. Die Schmerzen sind nicht deshalb leichter zu ertragen, wenn es „nur” eine normale Gewalttat war. Genausowenig darf sich nicht die Frage stellen, ob daß Opfer seine Täter vorher beleidigt hat oder nicht. Denn ein Faustschlag mitten ins Gesicht dürfte ja wohl kaum eine angemessene Reaktion auf eine Beleidigung sein.

Im Fall des 37-Jährige Ingenieurs, der in Potsdam Opfer einer Gewalttat wurde, war es auch wohl kaum eine bedrohliche Situation, in der sich der Täter befunden hat. Das Opfer war unbewaffnet und alleine.

In einigen Medien wurde kolportiert, daß das Opfer Alkohol getrunken hat. Es stellt sich dabei die Frage, welche Absicht dahinter steckt. Das eine dahinter steckt, ist unbestreitbar. Die gleiche Wirkung hätte bei einer Vergewaltigung die Aussage, die Frau hat einen kurzen Rock getragen.

Soweit es bisher erkennbar ist, gibt es zwei gegensätzliche Positionen. Auf der einen Seite wird versucht, die Tat als mehr oder minder harmlosen Vorgang hinzustellen, die selbstverständlich nur ein tragischer Einzelfall ohne jeden Hintergrund ist. Die extrem andere Seite geht von einem Überfall aus rassistischen Motiven aus. Dabei wird den ostdeutschen Mitbürgern (zu denen, was wohl vergessen wird, auch das Opfer gehört) unterstellt, eine Horde hirnloser Nazis zu sein.

Die Reaktion darauf ist dann wieder, die Tat in ihrer Bedeutung herunterzuspielen. Eine Annäherung an die Wahrheit verhindern beide Positionen. Bedauerlicherweise hilft aber auch die Wissenschaft an dieser Stelle nicht weiter, denn mediogene Gewaltforscher wie der Bielefelder Professor Heitmeyer gießen noch zusätzlich Öl ins Feuer, wenn sie behaupten

„Potsdam ist überall”

Es scheint auch zweifelhaft zu sein, daß Gewalt gegen Fremde in der gesellschaftlichen Mitte angekommen und quasi salonfähig geworden ist. Die Solidaritätsbekundungen für das Opfer belegen das Gegenteil.

Was aber ist dann die Wahrheit? Bis zur endgültigen Aufklärung des tatsächlichen Tathergangs kann darüber nur mühselig spekuliert werden. Bis zum Beweis des Gegenteils gilt immer noch, sowohl für Opfer als auch Täter die Unschuldsvermutung. Auch wenn es in Deutschland einen Trend zur bürgerbewegten Lynchjustiz gibt. Von Vorverurteilungen sollte daher Abstand genommen werden, denn daß schadet nicht nur den mutmaßlichen Tätern, sondern auch dem Opfer – die Anteilnahme sollte das aber nicht schmälern.

Fassen wir noch mal zusammen: Nach den bisherigen Informationen scheint der Täter höchstwahrscheinlich nicht aus einem Neonazi-Mileue zu stammen. Das schließt aber keinesfalls eine rassistische Tat aus, denn Rassismus ist ein Ventil der Unzufriedenheit. Die Tat kann daher ein versuchter Mord aus fremdenfeindlichen Motiven gewesen sein. Die Unterscheidung, ob es letztendlich Mord oder Totschlag war, sollte an dieser Stelle den Juristen überlassen werden.

Darüber hinaus aber eine pauschale Vorverurteilung aller Potsdamer oder Ostdeutscher abzuleiten, ist aber – sozusagen die Ironie an der Sache – ebenfalls rassistisch, den diese Vorverurteilung verwendet die gleichen Argumentationsmuster, welches auch Neonazis benutzen, um sich über andere zu erheben.

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