Ohne Scham

Manche Menschen werden rot, wenn sie beim lügen ertappt werden. Ursache dafür ist zumindest ein Rest von Anstand. Andere wiederum beherrschen es perfekt, ihre Umwelt frei von Scham zu belügen.

Ebenfalls frei von Scham scheint die USA zu sein, die im geplanten neuen Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen keinen Sitz anstreben. Begründet wird dies damit, daß Washington mit den Regeln zur Ablehnung von Staaten, in denen Menschenrechte verletzt werden, nicht einverstanden ist. Die Vorgaben seien nicht streng genug.

Merkwürdig. Die USA, ein Land in dem christliche Werte eine so hohe Bedeutung haben, wissen anscheinend nicht was Demut ist. Denn dann hätten sie gesagt, daß sie auf Grund der Verstöße die Menschenwürde in ihrem Gefangenenlager in Guantanamo Bay keine Berechtigung hätten, einen Sitz in dem Gremium zu erhalten.

Vieles spricht jedoch dafür, daß sie die Gefangenen nicht als Menschen anerkennen. Demzufolge wäre ihre Behandlung auch kein Verstoß gegen die Menschenrechte. Die Hybris der USA spiegelt sich auch in der Ignoranz gegenüber den 10 Geboten wieder.

So heißt es im zweiten Gebot „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht unnützlich führen” – das schließt wohl auch aus, auf Dollarscheine den Satz zu drucken „In God we trust.” – eine größere Gotteslästerung ist kaum vorstellbar.

Die in den USA immer noch praktizierte Todesstrafe verstößt gegen das fünfte Gebot: „Du sollst nicht töten.”

Im achten Gebot heißt es „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten” Die Manipulation von Beweisen zur Rechtfertigung eines Angriffskrieges gegen den Irak fallen wohl auch darunter.

In klassischen griechischen Tragödien benötigte die Hauptfigur ein gewisse Fallhöhe. Der Held ragte durch Rang, Ansehen oder Intelligenz (letzteres kann wohl für die USA ausgeschlossen werden) aus seiner Umwelt hervor. Sein Fall war daher umso bedeutungsvoller, sein Scheitern totaler und endgültiger.

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind ein sehr großes Land, mit einer großen Bedeutung. Von ihrem Ansehen ist nicht mehr viel über geblieben. Es reicht aber wohl noch für eine passable Tragödie auf der Weltbühne.

Den Tragischen Moment wird es jedoch in diesem Fall nicht geben:

„Der Held handelt anfangs in Verblendung und kommt erst im tragischen Moment zum Wissen um seine Lage. Da er gefasst in den Tod geht, hat sein Ende mehr Würde als ein Unfall. Es wirkt wie eine Erlösung aus einer ausweglosen Lage, häufig auch wie die Sühne für den Versuch, eine Ordnung zu durchbrechen.”

Ob der moralische Verfall und Untergang der USA eine kathartische Wirkung entfalten wird, beleibt abzuwarten. Zu befürchten ist aber, daß der Strudel der Ereignisse einen solchen Sog entfaltet und auch weite Teile der westlichen Welt verschlingen wird.
Die Vorwürfe, die Menschen mit moslemischen Glauben den USA machen, entbehren daher nicht jeglicher Grundlage. Sie fußen auf Erfahrungen und der Tatsache, daß moralischer Anspruch und tatsächliches Handeln in der westlichen Welt oft weit auseinander liegen. In dieser Hinsicht könnten wir viel vom Islam lernen – so wie er auch vom Christentum lernen könnte.

Wichtig dabei ist das aufeinander zugehen, das Eingestehen von Fehlern und die gemeinsam Einsicht von der Unverletzbarkeit der Menschenwürde. Das Atom seines Namens teilbar. Menschenrechte nicht. Sie haben vollständig auf der gesamten Welt ihre Gültigkeit.

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