Alltäglicher Rassismus

Problematisch ist nicht nur der offensichtlich, sich in zum Teil gewaltsamer Form äußernde Rassismus, sondern auch der latente Rassismus, der auf solch leisen Sohlen daherkommt, daß er auf den ersten Blick nicht mehr als das, was er ist, erkannt wird.

Zu einer regelrechten Unsitte ist es geworden, bei Berichten über Diebstähle oder anderer Straftaten die Nationalität oder Abstammung des Täters mit anzugeben. Es mag zwar sein, daß der Autodieb aus Polen stammt, aber durch die Erwähnung entsteht ein Zusammenhang – gewollt oder ungewollt. Wer sich dieser Tatsache nicht bewusst ist, hat zumindest mit dem rechten Auge Sehprobleme.

Wie ein eigentlich sachlicher Kontext um eine zusätzliche Metaebene angereichter werden kann, zeigt folgendes fiktives Beispiel:

In der Nähe eines Bremer Spar-Supermarktes fand eine Demonstration von Neonazis statt.

Dieser Satz ist nur scheinbar unverfänglich. Auf der Metaebene jedoch wird eine Verbindung zwischen dem Supermarkt und den Neonazis gezogen. Es ist das, was hängen bleibt.

Genauso hier:

„Ein kleiner türkischer Junge von ca. 5 Jahren hat sich eine Packung mit vielen kleinen Schokoladenosterhasen in seinen Rucksack gesteckt und wollte diese und sich selbst klammheimlich an der Kasse vorbei aus dem Laden stehlen.”

Was über bleibt ist „türkischer” Junge und „stehlen”. Im Kopf einiger, sicher nicht aller Leser, wird das dann mit dem Zusatz „ist ja wieder typisch, die Türken” kommentiert. So wird dem Rassismus Vorschub geleistet.

Das Leugnen dieser Zusammenhänge zeichnet entweder ein über alle Maßen dummen oder äußerst unsensiblen Menschen aus.

Für dumm halte ich Herrn Harste, alias den Shobblogger, nicht. Das er unsensibel ist, hat er wieder einmal mit diesem Artikel bewiesen.

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