Alltäglicher Rassismus

Alltäglicher Rassismus

Problematisch ist nicht nur der offensichtlich, sich in zum Teil gewaltsamer Form äußernde Rassismus, sondern auch der latente Rassismus, der auf solch leisen Sohlen daherkommt, daß er auf den ersten Blick nicht mehr als das, was er ist, erkannt wird.

Zu einer regelrechten Unsitte ist es geworden, bei Berichten über Diebstähle oder anderer Straftaten die Nationalität oder Abstammung des Täters mit anzugeben. Es mag zwar sein, daß der Autodieb aus Polen stammt, aber durch die Erwähnung entsteht ein Zusammenhang – gewollt oder ungewollt. Wer sich dieser Tatsache nicht bewusst ist, hat zumindest mit dem rechten Auge Sehprobleme.

Wie ein eigentlich sachlicher Kontext um eine zusätzliche Metaebene angereichter werden kann, zeigt folgendes fiktives Beispiel:

In der Nähe eines Bremer Spar-Supermarktes fand eine Demonstration von Neonazis statt.

Dieser Satz ist nur scheinbar unverfänglich. Auf der Metaebene jedoch wird eine Verbindung zwischen dem Supermarkt und den Neonazis gezogen. Es ist das, was hängen bleibt.

Genauso hier:

„Ein kleiner türkischer Junge von ca. 5 Jahren hat sich eine Packung mit vielen kleinen Schokoladenosterhasen in seinen Rucksack gesteckt und wollte diese und sich selbst klammheimlich an der Kasse vorbei aus dem Laden stehlen.”

Was über bleibt ist „türkischer” Junge und „stehlen”. Im Kopf einiger, sicher nicht aller Leser, wird das dann mit dem Zusatz „ist ja wieder typisch, die Türken” kommentiert. So wird dem Rassismus Vorschub geleistet.

Das Leugnen dieser Zusammenhänge zeichnet entweder ein über alle Maßen dummen oder äußerst unsensiblen Menschen aus.

Für dumm halte ich Herrn Harste, alias den Shobblogger, nicht. Das er unsensibel ist, hat er wieder einmal mit diesem Artikel bewiesen.

3 Replies to “Alltäglicher Rassismus”

  1. Im Kopf bleibt hängen, was hängen bleiben *will*!
    Die Nachricht ist völlig ok. Dein Zensurvorschlag zeugt von perfekt duchgezogener political correctness. Schnarch!

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren