Tod eines Schlächters

Der des Völkermords angeklagte Slobodan Milosevic hat sich gestern durch seinen Tod der weltlichen Gerichtsbarkeit entzogen. Während seine Anhänger von einem Mord sprechen und Menschen in Serbien aus Trauer Kerzen angezündet haben, gibt es auch für den Rest der Welt einen Grund, seinen Tod zu bedauern.

Durch sein Dahinscheiden verhindert er eine weitere Aufklärung der in seinem Namen begangenen Verbrechen im Balkan-Krieg. Der nur langsam vorankommende Prozess der Aussöhnung dürfte auch wieder ins Stocken geraten. Tausende von Opfern werden vergeblich auf Gerechtigkeit warten. Der Tod von Milosevic ist der bittere Schlusspunkt eines langen Prozesses vor dem Tribunal in Den Haag.

Zur Stunde gibt es noch kein Obduktionsergebnis. Die Äußerungen des Verstorbenen und seine Krankheitsgeschichte lassen aber vermuten, daß er eines natürlichen Todes gestorben ist. Wer dahingeht und wie die Sozialistische Partei Serbiens (SPS), deren Vorsitzender Milosevic war, von Mord spricht tut dies, um weiterhin Unfrieden zu stiften. Die Verherrlichung eines Kriegsverbrechers, der die ethnischen Säuberungen zu verantworten hat, tut das ihrige dazu, eine Aussöhnung zu verhindern.

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