Halligabend, Teil X

Das Klebeband kapitulierte schließlich vor dem Messer. Als Martin das Paket endlich auf hatte, weiteten sich seine Augen. Angestrengt starrte er ins Paket. Aber auch, wenn er das noch länger machen würde, blieb es dennoch noch leer. Nichtmal Verpackungsmaterial befand sich im Paket. Daher fehle auch eine Karte des Absenders. Doch der der Moment des Staunens über das Paket hielt nicht lang. Es klopfte. Es klopfte tatsächlich an der Tür. Martins Kehle wurde ganz trocken. Er schluckte. Leichte Panik kroch über den Rücken in seinen Kopf. Erneut klopfte es an der Tür. Langsam, wie in Zeitlupe stand Martin auf und bewegte sich zur Tür. Sein ganzes bisheriges Leben zog an ihm vorbei. Der Schauer, der ihm über den Rücken gelaufen war, verschwand. Dafür machte sich ein Klumpen voller Angst in der Magengrube breit.

Martin schob den Sperrigel der Tür zurück. In diesem Moment kam er ihm klein und zerbrechlich vor. Kein ernsthaftes Hindernis. Die Tür hatte zwar ein Schloss, aber abgeschlossen hatte er nicht. Wer sollte auf der Hallig auch schon was klauen. Räuspern half nicht, so daß er das, was vor der Türe stand, nicht mit einer lauten Stimme erschrecken konnte. Zwischen ihm und dem was draußen war, befand sich nur noch die unverschlossene Tür. Keinerlei Sicherheit, kein Schutz und erst recht keine Hilfe, die zu erwarten war. Weder wusste er, was passieren würde, noch hatte er mit dem Leben abgeschlossen, als er die die Tür öffnete.
„Na, endlich, ich dachte du machst nie auf und ich müsste hier draußen erfrieren.” Vor Martin stand Christina. Sie war seine Freundin, bis sie vor zwei Wochen eine heftigen Streit wegen einer Kleinigkeit hatten. Genau deshalb hatte Martin sich auf die Hallig geflüchtet. Jetzt aber, an Heiligabend auf der Hallig, stand sie vor ihm und lächelte ihn an. Immer noch nicht in der Lage zu reden, war es wieder Christina, die das Wort ergriff. Martin wurde klar, von wem das Pakte stammte und warum es leer war. Hinter den beiden viel die Tür zu.

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