Halligabend, Teil IV

Von der Fähre war noch nichts zu sehen. Etwas müde starte Martin hinaus auf das Meer. Früher, wie die Schiffe noch nicht so sicher waren, nannte die Seefahrer das Meer auch ein offenes Grab. In der gruseligen Tiefe der See konnte so manches verschwinden. Martin bekam eine Gänsehaut. Das lag aber eher an der nassen Hose. Mit leerem Blick starrte er die Mole hinab. Die Pfähle waren von Algen und Muscheln überwuchert. Die Luft hatte den typischen Seetanggeruch, von dem schon eine kleine Dosis ausreichte, um Menschen an vergangen Urlaubstage an der See zu erinnern. Nur ein paar Empfindlichen schlug der Geruch auf den Magen und erinnerte sie an verdorbenes Essen im Fischrestaurant. Als Martin wieder hoch blickte, konnte er am Horizont ein Schiff sehen. Das musste die Fähre sein.

Eine unangenehme Zeit in der Kälte verstrich noch, bevor die Fähre endlich anlegte. Nichts großes. Nur ein kleines Schiff mit blauer Reling und weißem Aufbau. Wenn damit nicht Post und Ware transportiert wurde, hatten auf dem Schiff etwa 20 Passagier Platz. Die Mannschaft bestand aus einem alten Seebären, der als Kapitän für die Fähre verantwortlich war und einem recht jung aussehenden Mann. Martin schätze, das es wohl der Sohn des Kapitäns sein musste, denn es gab eine entfernte Ähnlichkeit zwischen den Beiden. Das missmutige Gesicht, daß der Sohn verzog, ließ darauf schließen, daß ihm seine Arbeit alles andere als Spaß machte. Vermutlich war er in die Fußstapfen nicht ganz freiwillig getreten. Nach dem er an Bord gegangen war, begrüßte der Kapitän Martin mit einem Spruch, den er wohl witzig fand. Martin sollte während der Überfahrt unter Deck gehen, damit er sich keinen Sonnenbrand holen würde. Angesichts der Jahreszeit und des einsetzenden Nieselregens unglaublich komisch. Bei dem Wetter würde Martin auf keinen Fall draußen bleiben.

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