Halligabend, Teil I

Halligabend, Teil I

Es würde eine ganz neue Erfahrung werden, dachte Martin, als er aus dem Fenster blickte. Der Zug rollte in einschläfernder Gleichmütigkeit über die Schienen, seinem Ziel entgegen. Das Martin einer der wenigen Reisenden war, wunderte ihn nicht, denn seine Reise führt ihn weg vom Schnee, weg von dem üblichen Weihnachtszirkus hinein in ein nasskaltes, norddeutsches Wetter. Vor allem aber in die Einsamkeit. Kein Glocken, kein Menschen. Nur Strand und Vögel. Die Entscheidung, die Weihnachtsfeiertage auf einer Hallig zu verbringen, hatte er spontan vor zwei Wochen bei der Weihnachtsfeier seiner Firma getroffen, in der er seit April letzten Jahres arbeitet. Eigentlich war es weniger eine Weihnachtsfeier als eine sportliche Ertüchtigung der Mitarbeiter gewesen. Statt zu Glühwein und Christstollen gab es ein Eisstockschießen – Abteilung gegen Abteilung.

Nicht unerwartet hatte die Marketingabteilung, von der auch der Vorschlag für die diesjährige Weihnachtsfeier stammte, gewonnen.Im laufe des Abends hatte Martin dann den wie immer spontanen Entschluss gefasst, diesmal zu Weihnachten auszubrechen. Keine Familie, keine Freunde, keine Verwandtenbesuche. So in etwa wie in der Werbung zu einem Bier, daß ihm aber nicht schmeckte. Der beste Freund seines Onkels war in einem Seevogelschutzverein und hatte den Aufenthalt über die Weihnachtsfeiertage in der Vogelwarte ermöglicht, sehr zur Freude des Zivildienstleistenden, der Dank Martin Weihnachten zu Hause verbringen konnte.

5 Replies to “Halligabend, Teil I”

  1. Ähm, noch was: Es sollte wieder möglich sein, Kommentare zu schreiben. War ein kleiner Fehler im Theme (man hätte mir ja auch mal einen Hinweis geben können …)

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren