Stopfgans

Die Zeit für deutsches Federvieh wird knapp. Nicht wegen der Vogelgrippe, sondern weil Sankt Martin näher rückt. Ein Tag, für den viele Gänse ihr Leben lassen müssen. Damit das Vieh auch ordentlich was her macht im Ofen, wird es vorher fleißig gemästet.

Gestern habe ich ein Eindruck davon bekommen, wie sich so ein Tier dabei fühlen muß. Die Nachwirken verspüre ich noch heute. Nadine und ich war zu Besuch eingeladen und wurden bekocht. Gerade aus anderen Kulturkreisen ist bekannt, welchen Stellenwert Gastfreundschaft und Essen dort einnimmt. Nicht aufzuessen gilt als unhöflich. Es wird nicht nur gegessen, was auf den Tisch kommt, sonder restlos alles aufgegessen. Mir fällt es dann schwer zu sagen, daß ich eigentlich schon satt bin. Vor allem, wenn mit viel Liebe gekocht wurde und es ziemlich gut schmeckt.

Als Folge daraus hab ich so viel gegessen, daß mir davon hinterher schlecht war. Abgefüllt bis zur Oberkannte. Am liebsten hätte ich mir die Finger – lassen wir das mal lieber. Bis zwei Uhr in der Nacht habe ich wachgelegen, weil mein Bauch so aufgebläht war. An Schlaf war nicht zu denken. Entsprechend sehe ich heute aus. Frühstück ist ausgefallen. Gleiches wird wohl mit dem Mittagessen passieren. Ich bin nur froh, daß ich keine Federn habe, sonst hätte ich arge Bedenken, wenn es an der Tür klingeln würde.

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