Lex Roadrunner

Lex Roadrunner

Für Menschen, die ihrem Drang nach wilder Raserei mit einem Auto legal nachgehen wollten, gab es bisher nur die Möglichkeit, Rennfahrer zu werden. Dies setzte jedoch zumindest ein gewisses Maß an Qualifikation voraus.

Das es auch völlig talentfrei auf anderem Wege geht, zeigt uns das Bundesland Hessen. Dort reicht es seit ein paar Wochen aus, Minister oder Staatssekretär zu sein, um sich hemmungslos und legal der Raserei hingeben zu können. Mit einem Erlass sorgte Hessens Verblödungs Verkehrsminister Alois Rhiel (CDU) dafür, daß Parkvorschriften und Geschwindigkeitsbeschränkungen für die von ständiger Zeitnot geplagte politische Kaste nicht mehr gelten – zumindest sofern sie dienstlich unterwegs sind (was garantiert immer der Fall sein wird).

Wer in Zukunft in Hessen ein lautes „Meep! Meep!” hört bevor er von einem dicken Dienstwagen überrollt wird, der kann sich zumindest damit trösten, daß dies dem Wohl von höher Stehenden höheren Wohle dient.

Bevor weiter über die Konsequenzen dieses Erlasses in der Praxis kleinkariert gemeckert wird, sollte überlegt werden, mit welchen anderen Erleichterungen unseren Politikern ihr harter Alltag angenehmer gestaltet werden kann. Sicherlich hinderlich ist gerade bei hohem Termindruck das Bezahlen von Gegenständen des täglichen Bedarfs an einer Kasse. Was andere unschön als Ladendiebstahl bezeichnen würden, wäre doch für Herrn Koch und seine Minister ein probates Mittel um Zeit zu sparen. Also auch dafür schnell einen Erlass geschustert.

Sicher etwas zu spät für Peter Gloystein, aber in Zukunft für ähnliche Situationen äußerst praktisch wäre eine Regelung, durch die politische Verantwortungsträger ohne Angst vor Rücktrittsforderungen oder anderen Konsequenzen nach Lust und Laune das „einfache Volk” mit Lebensmitteln übergießen, bewerfen oder ohrfeigen dürfen. Schließlich muß es möglich sein, seine Durchsetzungskraft auch außerhalb der politischen Arena zeigen zu können.

Statt in Zukunft mit Halbwahrheiten, Wahrheiten in Form von Salamiescheiben oder saftigen Lügen daher kommen zu müssen, würde es sich auch anbieten, Politikern ein pauschales Aussageverweigerungsgrecht bei gleichzeitiger Garantie völliger Unschuld einzuräumen. Parteiübergreifende Zustimmung wäre dabei sicher, denn neben Herrn Koch hätte davon sogar ein anderer ehemaliger Minister aus Hessen profitiert.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren