Wirtschaftsteil für Kinder

Wirtschaftsteil für Kinder

Liebe Kinder, wenn ihr euch schon mal gefragt habt, was in Papis Zeitung (das ist die mit den vielen Buchstaben, nicht die mit den Bildern und den tollen Rezepten, das ist Mamis Zeitung) steht und warum er beim Frühstück da immer schweigend rein starrt und sich unterm Tisch heimlich kratzt, habt ihr sicher schon mal neugierig im Altpapier gewühlt.

Gut, da war dann nicht nur Papis Zeitung und die leeren Pizzaschachteln drin, sondern auch ein paar verstörende Magazine, die habt ihr dann aber wieder hoffentlich zurückgelegt, denn das waren alte Ausgaben. Wo Papi die neuen vor Mami versteckt hat, wisst ihr ja schon längst. Zurück aber wieder zur Zeitung und den einzelnen Teilen der Zeitung. Neben den Seiten, die für Papi immer am wichtigsten sind – das sind die Seiten, wo über Männer in kurzen Hosen und Lederbälle gesprochen wird, gibt es noch andere Seiten, die viel spannender sind. Je nach dem, was euer Papi monatlich an Geld von seinem Chef bekommt, liest er sogar mehr von der Zeitung als nur die Seiten über die Männer mit den Bällen.

Wenn ihr euch die wirklich spannenden Seiten mal angesehen habt, dann liegen euch sicher ein paar Fragen auf der Zunge. Im Wirtschaftsteil, der nicht so genannt wird wir der Ort, wo Papi manchmal abends hingeht und von dem er immer so schlecht riechend nach Hause kommt worüber er und Mami sich dann furchtbar streiten, sondern weil es da um viel Geld und wichtige Männer geht, stehen spannende Märchen drin. Zum Beispiel von Männern, die bei einer großen Firma arbeiten, die Autos herstellt. Furchtbar viele davon, werden bald ohne Arbeit sein. Eine paar wenige freuen sich darüber. Das hört sich jetzt zwar gemein an, aber die, die sich darüber freuen und die anderen entlassen haben, machen das, weil sie dafür bezahlt werden und andere Menschen, denen die Firma gehört, es dadurch, das jetzt viele dort nicht mehr arbeiten, mehr Geld verdienen, weil ihre Firma jetzt wieder mehr wert ist.

Die Menschen, die die anderen entlassen haben, haben einen besonderen Namen. Neben vielen Namen, die ihnen gegeben wurden, wobei auch ein paar aus dem Tierreich stammen, werden sie auch Vorstände genannt. Jetzt fragt ihr euch natürlich, was das ist, so ein Vorstand. Das Wort Vorstand kommt von vor stehen und meint, nun das die Männer vor etwas stehen. Meistens vor der Firmenkasse, während sie überlegen, wie viel sie daraus noch nehmen können um es in die eigene Tasche zu stecken.

Wenn sie davon ganz viel in die eigene Tasche gesteckt haben und es der Firma deshalb richtig schlecht geht, dürfen sie ganz früh nach Hause gehen und bekommen eine nette Belohnung. Die, die nicht so viel Glück haben, weil sie in der Firma nur richtig hart gearbeitet haben, bekommen nichts, müssen aber auch nach Hause gehen. Wenn es euren Papi zum Beispiel treffen würde, wäre er arbeitslos und ihr hättet dann bald kein neues Spielzeug mehr und würdet deshalb in der Schule gehänselt.

Arbeitslos bedeutet, daß man in dem ganzen Spiel leider das falsche Los gezogen hat – genau wie auf dem Rummel – und deshalb seine Arbeit los ist. Für euren Papi, eure Mutti und euch wird das dann ein hartes Los sein. Eure Mutti müsste dann bei anderen Leutem putzen gehen, was ganz schön anstregend ist, wenn sie noch für den Papi und euch kochen, eure Hausaufgaben kontrolieren, die Wäsche waschen und vieles andere mehr machen muß während Papi nur mit schlechter Laune auf dem Sofa sitzt.

Mamis werden überings nie Vorstand, auch wenn sie den ganzen Tag vorm Herd stehen. Aber das ist eine ganz andere Geschichte. Beim nächsten Mal erkläre ich euch dann was Schmiergeld ist.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren