Pixelfee

Pixelfee

Erneut wurde im Internet eine Diskussion angestoßen, ob ein Webdesign für eine Bildschirmauflösung von 800×600 noch eine Berechtigung hat. Die meisten selbsternannten bzw. sogenannten Designer votieren für mindestens 1024, da auch die Überzahl der Bildschirme mittlerweile eine solche Auflösung hätten. Unberücksichtigt dabei bleibt jedoch, dass es auch mobile Endgeräte mit Browsern gibt, die eine deutlich geringer Auflösung haben. Aber auch, wenn man diesen Punkt unberücksichtigt lässt, gibt es andere Aspekte, die bei einem sturen beharren auf 1024 unberücksichtigt bleiben.

Zunächst einmal zwei polemisch Fragen. Bei Papierformaten gibt es DIN-A0. Warum werden keine Zeitungen oder Zeitschriften in diesem Format herausgebracht? Wäre es praktisch, bei einem 40 Zoll Bildschirm auch die Browserseite so zu gestalten, dass man sie nur im Vollbildmodus betrachten kann? Ganz ehrlich ein paar offene Worte:

Liebe Designer, ich glaube ihr seit euch nicht darüber im Klaren das es ein paar Grundsätze gibt, die ihr nicht berücksichtigt. Zunächst einmal bedeutet eine theoretisch machbare Aufflösung nicht, dass der Browser auch im Vollbildmodus benutzt wird. Es soll Gerüchten zu folge Menschen geben, die ihren Rechner nicht nur zum Betrachten eurer tollen Webseiten verwenden, sondern parallel zum Browser eine Menge anderer Applikationen offen haben, die auch ihre Aufmerksamkeit fordern. Damit sind wir eigentlich schon beim zentralen Punkt, der Aufmerksamkeit. Ich weiß, dass die Wahrheit manchmal sehr hart sein kann, aber da müsst ihr jetzt durch.

Aus der klassischen Typografie gibt es den Richtwert, dass eine Zeile nicht mehr als 50 bis maximal 60 Zeichen lang sein soll. Dabei werden Wortzwischenräume mitgezählt. Alles, was darüber hinausgeht, erschwert das Lesen eines Textes. Der Sinnzusammenhang eines Satzes lässt sich schwer erfassen, da das Auge eine längere Strecke “wandern” muss. Eine einzelne Zeile wird so nicht mehr auf einem Blick erfasst.

Auch für die Darstellung von Texten am Bildschirm gelten Standardregeln der Ergonomie. Ein noch gut lesbarer Text sollte zwischen 60 und 70 Zeichen breit sein. Eine schnelle Möglichkeit, die unterschiedlichen Breiten in Bezug auf ihre Lesbarkeit zu überprüfen, findet sich auf der Webseite von Tom Stich. Dort wird auch nachvollziehbar erklärt, was es mit der Maßangabe em auf sich hat.

Eine sehr umfassende und fundierte Sammlung von Artikeln zum Thema Webdesign und Wahrnehmung findet sich bei KommDesign.de. Ich hoffe, dass die Pixelfee allen “Anhängern von 1024” im Schlaf die Eingebung gibt, sich dort mal umzusehen und das sie dann die Weisheiten, die dort zu finden sind, in sich aufnehmen. Auf dass sich die Kunde verbreite, dass 1024 böse ist. Ganz böse. Und wer in noch größeren Dimensionen denkt, der ist eh schon exkommuniziert und unrettbar verloren.

Epilog: Problematisch wird es, wenn der Kunde sich auf eine ganz bestimmte Vorstellung festgelegt hat, die solche nachweisbaren Faktoren völlig unberücksichtigt lässt. Von den vielen Optionen, die dann zur Verfügung stehen (Augen zu und durch, Auftrag ablehnen etc.) gefällt mir persönlich die der sanften Beratung am besten. Wie ein Arzt versucht, seinem Patienten ungesunde Verhaltensmuster auszureden, sollte versucht werden, den Kunden auf den richtigen Weg zu bringen.

Das hört sich sicher leichter an, als es ist. Die meisten Kunden sind aber empfänglich für Zahlen und einfache Beispiel. Eine “medikamentöse Behandlung” mit einem praktischen Beispiel und anschließender Erfassung, was von dem gelesenen Text noch hängen geblieben ist wirkt manchmal Wunder.

2 Replies to “Pixelfee”

  1. Wie wärs, wenn man die Möglichkeit nutzt, den Broswer abzufragen und für mobile Endgeräte gertrennte Seiten vorhält. Bei einer intelligenten Verwaltung der Inhelte, bräuchte man auch nicht alles 2mal pflegen…

  2. @ cozmic
    da stimme ich dir zu. ABER solche Dinge sind heute bei 08/15-Webseiten von KMU nicht mehr möglich, weil diese einfach nicht bereit sind, dafür zu zahlen… («ist mir egal, Hauptsache billig…»)

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren