Normale Menschen

Normale Menschen

Seit Frühjahr 2004 läuft die “Initiative für wahre Schönheit” des Hautpflegeproduktherstellers Dove.
Das Interessante an der groß angelegten Werbekampagne ist, dass keine Supermodels verwendet werden, sondern ganz normale Frauen. Damit ist die Anzeigenserie nicht nur so vielfältig wie das Leben, sondern vor allem ehrlich – wenn man das Wort “ehrlich” überhaupt im Zusammenhang mit Werbung verwenden darf. Das stereotypische Perfektionsideal wird bewusst durchbrochen. Die Kampagne stößt auf eine durchweg positives Echo bei Frauen. Interessanterweise finden sich weder im Pressespiegel von Dove noch im Internet Hinweise darauf, was Männer von dieser Werbung halten. Sicher, sie gehören nicht zur Zielgruppe. Trotzdem wäre es nicht uninteressant, ob ausgemergelte, digital retuschierte Models das “starke Geschlecht” eher ansprechen. Würde dem so sein, hätten sich die meisten Männer noch nicht sehr weit von ihren steinzeitlichen Vorfahren emanzipiert:

“Frau dünn, Grog holen Essen, Grog holen viel Fleisch. Grog passen gut auf Frau auf. Grog starker Mann.”

Wobei die steinzeitliche Frau das Essen wohl kaum hinterher auf dem Klo ausgekotzt hätte. Auf mich wirkt die Kampagne ansprechend und angenehm beruhigend. Es ist einfach eine Tatsache, dass normale Menschen dicker, dünner, rundlicher, magerer, größer, kleiner, jünger, älter sind als ein Schönheitsideal, welches unerreichbar ist. Sicher, es gibt die plastische Chirurgie , die dabei nachhelfen kann, den eigenen Körper an die Fiktion anzupassen. Unumstößlich bisher bleibt aber dabei, dass wir alle altern (und eines Tages sterben). Dies sollten wir in Würde tun. Über einer Kloschüssel zu hängen, damit man sein Idealgewicht nicht verliert, hat nicht viel mit Würde zu tun. Unsere Narben, Falten oder andere Makel sollten wir wie Auszeichnungen stolz tragen. Zeigen sie doch, dass wir leben und gelebt haben.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren