Gutmenschen

Bei manchen Blogs, über die ich stolpere, dreht sich bei mir der Magen um. Nicht wegen des Designs – da kann mich fast nichts mehr schockieren. Wenn ich etwas nicht ausstehen kann, dann sind das Gutmenschen. Leute, die einen neongelben, kitschigen (Schein)Heilgenschein über dem Kopf haben. Ein Beispiel: Da schreibt eine Person über sich im Internet, dass sie schon sehr früh angefangen hat zu schreiben und anderen lieber selbstgeschriebene Gedichte statt Blumen geschenkt hat. “Gedichte sind wie ein Strauß Blumen, denen man anderen überreicht.” Ich bevorzuge da eher das Bild von einem Korb mit Giftpilzen, die man gesammelt hat.

Meine Motivation zu schreiben lässt sich einfach erklären. Es macht mir Spaß. Ich liebe es Wörter aneinander zu reihen und damit Bilder zu malen. Auf keinen Fall würde ich meine Sachen auf Krankenstationen oder in Altersheimen vortragen und mich dabei als besserer Mensch fühlen. Allein daran zu denken löst Brechreize bei mir aus. Nicht, wirklich nichts gegen Menschen, die anderen Helfen. Davor habe ich großen Respekt. Bei den Gutmenschen weht mir immer ein leichter Hauch von Verlogenheit entgegen. Gutmenschen haben riesige Angst vor Geschmacklosigkeit. Gerade aber die Möglichkeit, mit Worten Grenzen zu überschreiten, macht es so reizvoll, absurde Dinge zu schreiben. Das Schöne dabei ist, dass Sätze wie

Jetzt neu – Papagei mit Diabetis. “Polly hat Zucker!”

lange im Kopf hängen bleiben. Jenseits der Gutmenschen kann man Bilder malen, die so verrückt sind, dass sie nur mit dem Kopf nach unten hängend betrachtet werden können:

Leben ist wie atmen, nur mit den Füssen nach oben.

Ein Blog mit Hintergrundmusik, mit Zwangsreimen, bei den der Magen Karussell fährt und die Worte erbricht ist vor allem eins – grausam. So grausam, dass ich mir den Link erspare. Wer sich das antun will, kann Google befragen wo man so Perlen wie diese

Es wurde erwachsen hat sich aufgerafft,
sich seinen eigenen Weg geschafft,

findet. Werde es nicht ohne Vorsorge versuchen möchte, dem gebe ich noch eine Reistablette von mir mit auf den Weg:

Die Zähne der Knochensäge beißen sich durch das Fleisch bis zum Mark.

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