Sack Reis

“Der Kanzler kommt nach Bielefeld”. Ausgestattet mit einer Wohlfühlmenge an Jubelpersern lässt sich Gerhard Schröder heut (e)in Bielefeld beklatschen. Die Kundgebung auf dem Rathausplatz dient natürlich dazu, dem Mann mit dem liberalen Brillengestell den Wiedereinzug in den Bundestag zu erleichtern. Ohne den von mir geschätzten Manuel Andrack zu beleidigen: Es gibt eine eine gewisse Ähnlichkeit zwischen ihm und Rainer Wend. Der Unterhaltungswert des Bundestagsabgeordneten Wend hält sich aber in Grenzen. Wer sich die Mühe macht und sich durch seine Texte auf der Homepage kämpft, kann auf das Zählen von Schaffen verzichten. Weichgespültes Provinzpolitikergerede vermischt mit einer Prise “Grundkurs Rhetorik” – beliebig austauschbar dabei ist Parteilogo.

Nicht zu finden sind dagegen Aussagen des “Wirtschaftsexperten”, die ihn für die bevorstehende Wahl sicher nicht in ein günstiges Licht rücken. So ist er in der Vergangenheit dadurch aufgefallen, dass er sich für pauschale Arbeitszeitverlängerung und die Streichung von Feiertagen stark gemacht hat.
Zum Problem von Langzeitarbeitslose bei denen durch die Einführung von Hartz IV in der Anfangsphase die Gefahr bestand, dass sie vier Wochen ohne Geld auskommen mussten: “Meine Güte! So eine Mords-Reform geht halt nicht reibungslos über die Bühne“. Sehr verständnisvoll und einfühlsam der Mann.

Dafür schlägt sein Herz für die Wirtschaft. Bis die Firma aufgrund ihrer Tätigkeiten in die Schlagzeilen geriet, war Rainer Wend Aufsichtsratsmitglied bei der WMP EuroCom AG . Anschließend durfte er als Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses des Deutschen Bundestages mithelfen, die Affäre um den Medien-Beratervertrag über 1,32 Millionen Euro zwischen der Bundesanstalt für Arbeit und dem Lobbyisten-Unternehmen aufzuklären.

Auch wenn der Auftritt von Gerhard Schröder so interessant ist wie der Sack Reis, der irgendwo in China umfällt – spannend ist es, die Hintergründe von Bundestagskandidaten näher zu beleuchten.

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