Hundeleben

Der arme Hund lag, die Pfoten von sich gestreckt, auf dem kalten Steinfußboden. Die Kühle verschaffte ihm bei der schwülen Hitze etwas Erleichterung. Die kommenden kälteren Tage in diesem Jahr wird er nicht mehr erleben. Sein Futternapf war schon seit Tagen leer, das letzte Wasser hatte er and diesem Morgen getrunken. Hoffnung auf Neues gab es nicht. Während er beinah regungslos vor sich hin dämmerte, sammelten sich wieder Fliegen zum Mittagsmahl auf den versenden Leichnam im Schlafzimmer.

Ungeöffnet standen in der Küche zahlreiche Dosen mit Hundefutter. Auch wenn der Hund an sie denken würde, so waren sie doch außerhalb seiner Reichweite. Die rechte Vorderpfote zuckte kurz unkontrolliert, beruhigte sich jedoch wieder. Sein Herrchen hat am Ende nicht mehr gezuckt. Abend einschlafen, in der Nacht noch ein leises Stöhnen, bis dann Stunden später zusammen mit dem Sommer die Stille einkehrte. Bedingt durch die Wärme zog auch ein süßlicher Geruch durch die Wohnung, der aber nur vom Hund wahrgenommen wurde. Während draußen das Leben weiterging, ging es in der Wohnung qualvoll zu Ende. Vermisst wurde er von den Kindern, mit denen er immer gespielt hatte, nicht. Sie waren schon längst erwachsen, hatten eine Familie und vielleicht sogar eigene Hunde. So wie auch die Kinder des toten Mannes im Schlafzimmer längst erwachsen waren. Ihr Vater war ihn mit den Jahren fremd geworden, sie hatten kaum noch Kontakt zu ihm. Nur zu Weihnachten und zu seinem Geburtstag bekam er aus weit entfernten Städten einen Anruft, meist aber nur eine Postkarte.

All das wusste der Hund nicht. Es war ihm auch nicht wichtig, kreisten seine Gedanken doch hauptsächlich um Fressen, die verhasste Hundeleine, das Stöckchen und langes Tollen im Freien. Von all dem blieb ihm jetzt nur die Hundeleine, die an der Garderobe im Flur neben dem Wintermantel hing.

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