Kalt gekocht

Nichts genaues weiß man. Jedenfalls fühle ich mich so nach der Belegschaftsversammlung. Neben der üblichen Blut und Träne Rede und den Durchhalte- und Blick-nach-vorne-Parolen gabe es keine genauen Informationen. Das einer der drei Geschäftsführer geht, kursierte schon vorher als Gerücht. In welcher Form aber die Einsparungen im Personalbereich auf die Belegschaft niederregnen werden, war auch gegen Ende der Versammlung nicht klar. Die Vertreterin des Betriebsrates relativierte wie üblich die Aussagen der Geschäftsführung und wies darauf hin, dass noch keine Verhandlungen mit dem Tarifpartner stattgefunden haben.

Lohnkürzungen sind aber wahrscheinlich. Die Tatsache, das dies im gleichen Maße auch die Führungskräfte treffen wird, beruhigt mich in keinster Weise. Mathematisch gesehen wäre eine Lohnkürzung von 10% natürlich für alle gleich – nämlich 10%. Subjektiv sieht das aber ganz anders aus. Für jemanden, der zum Beispiel 8.000 Euro im Monat verdient, sind 10% wesentlich leichter zu verschmerzen als für jemanden, der nur 1.500 Euro verdient. Das das keine Haarspalterei von mir ist, zeigt auch ein Blick auf unser Steuersystem. Dort gibt es keine gleiche Besteuerung, sondern eine, die sich entsprechend aus der Einkommenshöhe ableitet.

Auch wenn die Anspannung jetzt weg ist, die Unsicherheit bleibt dennoch. Zwar wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird – laut Sprichwort. Aber es gibt Entscheidungsträger, die ziemlich abgebrüht sind und keine Scheu vor Bauernopfern haben. Lieber eine Mitarbeiter mehr „freistellen“, als sich von einer Prestige versprechenden, aber defizitären Immobilie zu trennen.

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