Brot auf Rezept

Aus der Masse der Werbung die täglich unser Hirn umflutet, ragen manchmal Einzelstücke heraus, die eine lobende Erwähnung verdienen. Am Bielefelder Bahnhof befindet sich eine Fiale der Bäckerei Lechtermann. Heute morgen hingen an den Fensterscheiben Zettel, die ein günstigeres Brot versprachen. Um in den Genuss der Vergünstigung zu kommen, musste man eine Quittung vorlegen, dass man bei einem Arzt bereits die Anfang des Jahres eingeführte Praxisgebühr bezahlt hat. Ausdrücklich ausgeschlossen von der Aktion waren Politiker und Beamte.

Mit der Werbung zeigt das Unternehmen offen und mutig seine politische Meinung zum Thema Praxisgebühr und stellt sich auf die Seite seiner Kunden. Gleichzeitig zeigt ein Arbeitgeber aus der Region, dass es auch Menschen gibt, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind und nicht nur an den Umsatz denken, da ein solches Statement eindeutig Arbeitnehmerfreundlich ist.

Damit steht das Unternehmen in der Wertetradition der Familienunternehmen, dessen Führungsstil geprägt ist von der Aufklärung und dem Bildungsbürgertum. In der gleichen Liga spielt Wolfgang Grupp, Eigentümer der Firma Trigema. Es ist Balsam für die von Standortverlagerungen und Billig-Arbeitsplätzen im Ausland geplagte Seele, wenn ein Unternehmer sich voller Überzeugung für den Standort Deutschland stark macht. Sein Kommentar zum Mannesmann-Prozess zeigt, dass nicht jeder Manager eine Firma mit einem Selbstbedienungsladen verwechselt:

Ich bin sicher, dass die Herren diese Beträge so nicht festgelegt hätten, wenn sie sich selbst hätten bezahlen müssen. Das ist doch so, als ob ein Unternehmer das Weihnachtsgeld für die Mitarbeiter streicht und sich gleichzeitig bei Mercedes einen Maybach für 350.000 Euro bestellt.

So lange es solche Firmen und Unternehmer gibt, gibt es in Deutschland noch Nahrung für das Licht der Hoffnung.

Kommentar verfassen