Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Ein persönliches CO2-Budget ist kein Allheilmittel für den Klimaschutz. Eine harte Begrenzung darf nicht bestehende Ungleichheit verschärfen.

Klimaschutz als Gemeinschaftsaufgabe

Vom Standpunkt der persönlichen CO2-Bilanz ist eine Einäscherung eher weniger klimafreundlich. Aufessen lassen wäre wohl am besten. Aber soweit wollen wir nicht gehen. Um der Erderwärmung entgegenzutreten, schlägt laut tageschau.de der schlägt Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber ein CO2-Budget für jeden von uns vor. So eine Art Kopfpauschale. Bevor ich die weiteren Informationen dazu aufgreife, erstmal grundsätzlich eine Überlegung hinsichtlich der Umsetzung dazu.

Mal ganz ehrlich, unabhängig von der Notwendigkeit, den CO2-Ausstoß zu verringern: Wie soll so was denn kontrolliert werden? Mir ist schon klar, dass nicht die Luft, die ich ausatme, gemessen wird. Auch das Kinder in die Welt setzen dürfte sich nicht negativ aufs eigene CO2-Budget auswirken.

Beim Rest dürften dann wohl eine Rolle spielen, was wir konsumieren. Jede Buchung einer Reise, jeder Einkauf im Supermarkt, jede Bestellung in einem Restaurant müsste erfasst und hinsichtlich ihres CO2-Verbrauchs ausgewertet werden.

Schließlich macht es einen Unterschied, ob ich einen Salat oder ein Steak esse. Für das persönliche CO2-Budget spielt es auch eine Rolle, ob ich eine Avocado oder einen heimischen Apfel aus der Region kaufe.

Aus meiner Sicht werden enorme Mengen an persönlichen Daten erfasst und ausgewertet werden müssen. Aus Datenschutz-Sicht ist das ein absoluter Gau. Natürlich ist der Klimaschutz eine Gemeinschaftsaufgabe, aber ein CO2-Budget für jeden ist keine Lösung. Und dabei sind wir erstmal nur bei der Datenschutzproblematik.

Verkauf mir dein CO2-Budget

Der durchschnittliche CO2-Verbrauch liegt in Deutschland bei jährlich zehn Tonnen. Bei so einer Zahl muss man erstmal schlucken. Laut Hans Joachim Schellnhuber sollten jedem Mensch auf der Welt aus Gründen der Gerechtigkeit jährlich drei Tonnen zur Verfügung stehen — wenn man denn die Klimaziele erreichen will.

Fakt am Rande: Wer besonders reich ist, verbraucht jährlich 100 Tonnen, Spitzenreiter sogar mehr als 2.000 Tonnen CO2 im Jahr. Wohlgemerkt, wir reden hier über Einzelpersonen und nicht über Industriezweige. Das wäre bei einem CO2-Budget eine deutlich Überziehung des eigenen Kontos. Aber auch dafür hat Schellnhuber einen Vorschlag.

So soll nämlich der private Emissionshandel ermöglicht werden. Wer besonders sparsam ist (also Menschen mit geringem Einkommen) soll sein Guthaben verkaufen können. Das hat meiner Meinung nach nichts mehr mit Gerechtigkeit zu tun, sondern verschärft nur die bereits bestehende Ungleichheit. Zudem verstärktes es ein klimafeindliches Verhalten, wenn man es sich denn leisten kann.

Wenn man das freilich einfach nur von den Zahlen her betrachtet und die 3 Tonnen pro Kopf als Ziel setzt, wäre das ein großer Schritt für den Klimaschutz.

Dagegen spricht, dass ein CO2-Budget zur massiven Sammlung persönlicher Daten führt und Ungerechtigkeit zementiert. Wohl auch aus diesem Grund hat Robert Habeck (Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz) den Vorschlag abgelehnt.

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