Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Badinger schob die restlichen Brötchenkrümel auf der Servierte zusammen. Zeit für die Bahn auf die andere Rheinseite. Wie er mit Feldkamp weiter fahren würde, konnte er unterwegs noch überlegen.

Als er am Polizeipräsidium ankam, war er noch genau so ratlos wie zuvor. Mürrisch wies er sich am Einlass aus und stieg in den Fahrstuhl zur dritten Etage. Die Bürotür von Kleemann stand offen. Badinger spähte herein. Sie saß nicht an ihrem Platz.
„Kann ich weiterhelfen Herr Badinger?“ Kleemann kam über den Flur gelaufen mit einer kleinen Gießkanne in der Hand. „Die würde ich ihnen auch empfehlen, sofern sie nicht das Regiment des trockenen Daumens von Schaffer fortsetzen wollen.“
„Eigentlich nicht. Sind die Kollegen schon da?“
„Auch wenn ich die Sekretärin hier bin, bin ich noch lange nicht der Babysitter. Da müssen sie schon selber nachsehen. Bei mir hat sich auf jeden Fall noch keiner heuet angemeldet.“
Badinger fiel die leere Vase im Büro von Kleemann ein. Daher also ihre schlechte Laune. Er hat angenommen, die Anspielung wäre von ihr nur so daher gesagt worden.
„Danke für die Richtigstellung.“
„Jederzeit gerne. Bevor ich es vergesse, komme sie noch mal eben mit rein.“ Sie ging um ihren Schreibtisch herum und schloss eine der Schubladen auf. Draus zog sie einen zugeklebten Umschlag.
„Hier drin sind ihre Zugangsdaten für den Computer. Das Passwort ist nach der Erstanmeldung zu ändern, aber das wissen sie bestimmt.“ Kleemann spitze ihren Mund, als sie Badinger den Umschlag reichte.
„Herzlichen Dank Frau Kleemann.“
Drüben in seinem Büro schaltet er sofort den Computer an. Beim neuen Passwort entschied er sich für ein dämliches Namenspiel. Unsicher, aber zumindest konnte er sich das auch merken.
Im Posteingangsfach befand sich über zwanzig ungelesen E-Mails. Die meisten davon ignorierte Badinger. Nur die von Hoppel schien wichtig zu sein. Es ging den Bericht des Gerichtsmediziners. Die genaue Todesursache lag ebenso vor wie der Zeitpunkt des Ablebens. Badinger scrollte weiter runter. Bericht der Spurensicherung, dass die Marienstatue mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Mordwaffe gewesen war. Noch weiter runter, die Informationen vom hinzugezogenen Sachervständigen. Frau Doktor Weinert schloss eine Fälschung aus. Es gab genügend Hinweise, dass es sich bei der Mordwaffe tatsächlich um einen wertvollen religiösen Gegenstand handelte. Über die Herkunft konnte Frau Doktor nur wage spekulieren. Möglicherweise Osteuropa.
„Bei der Arbeit oder surfend im Internet?“ begrüßte Hoppel gutgelaunt Badinger.
„Lese gerade deine Mail.“
„Buchstabe für Buchstabe oder bist du schon durch?“
„Fantastisch, dass der Mörder schon überführt ist. Eine gewisse Marie hat Mäder erschlagen und sich bei Tagesanbruch in eine Holzfigur verwandelt.“
Hoppel sah sich Badinger von der Seite an. „Toll wie du darauf gekommen bist. Hast du eigentlich heute Nacht unter einer Brücke geschlafen?“
„Klar, bei den vielen Brücken dachte ich mir, mal irgendwo anfangen zu müssen.“
„Nein, jetzt im Ernst.“
Badinger klagte Hoppel sein Leid mit der Unterkunft.
„Puh, das hört sich wirklich nicht besonders toll an. Für wie lange hast du dich im Hotel einquartiert?“
„Erstmal eine Woche?“
„Kling verdammt optimistisch. Warte mal.“ Hoppel verschwand und kam kurze Zeit später mit einer Visitenkarte zurück.
„Hier, den hatte ich mal als Zeuge in einem Fall befragt. Könnte was für dich sein.“
Badinger nahm die Visitenkarte des Immobilienmaklers entgegen.
„Und der kann etwas für mich tun?“
„Soweit ich das noch in Erinnerung habe, suchte er immer wieder für Objekte Mieter beziehungsweise Käufer. Dahinter steckt ein Investor, der besonders am Eigelstein und im Agnesviertel Häuser aufkauft und saniert.“
„Ist dem ein Haus geklaut worden oder warum hast du seine Karte?“
„Blödsinn. Es ging um einen in einem der Häuser tot aufgefunden Eigentümer.“
„Na dann. Was steht für heute an?“
„Hast du schon was rausbekommen in Bezug auf die Journalistin? Sonst könntest du da ansetzen. Für 14 Uhr hat Dietz eine Besprechung angesetzt, bis dahin sollte wir ein paar Fortschritte vorzuweisen haben.“
„Willst du dabei sein, wenn ich“, Badinger tat so, als würde er in seinen Notizen nachsehen, „Frau Feldkamp befrage.“
„Lass mal, das schaffst du schon alleine.“
„Wo wir gerade schon bei Thema sind, mir ist da etwas eingefallen.“
„Was denn?“
Badinger überlegte, ob er Hoppel seine Theorie von Feldkamp als mögliche Täterin präsentieren sollte.
„Du hast doch sicher noch ein freies Zimmer.“
„Vergiss es.“
„Ein Versuch war es wert.“, beeilte sich Badinger zu sagen.

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