Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Gerade an Weihnachten stellt sich für viele wieder die Frage nach Gott. Der wohnt jedoch nicht in der Kirche.

Rede wir darüber

Reden wir mal fünf Minuten über Gott. Oder wie lange auch immer das Lesen dieses Artikels erfordert. Wenn er denn zu Ende gelesen wird, denn die Sache mit Gott ist eigentlich etwas ganz persönliches. Für manche existiert er nicht. Andere sind fest im Glauben verwurzelt. Manche wie ich dagegen liegen irgendwo dazwischen.

Es gab in meinem Leben eine Phase zwischen sechzehn und zweiundzwanzig Jahren, da sah ich mich selber als Atheist. Ein etwas merkwürdiger Atheist allerdings, denn ich bin nie aus der Kirche ausgetreten. Gut, das war für mich auch etwas einfacher, denn ich bin glücklicherweise evangelisch getauft worden.

An dieser Stelle möchte ich allerdings nicht die eine oder andere Ausprägung des christlichen Glaubens verdammen. Für mich gilt einfach nur, dass mich, auch wenn ich der Kirche nicht immer nah war, der evangelische Glaube prägte. Belassen wir es fürs Erste dabei und kommen zurück zur Kernfrage. Wir kennen alle die Gretchenfrage, jeder für sich, wird sie auf seine Weise beantworten. Wobei es auch durchaus Menschen geben wird, die keine Antwort geben wollen — auch nicht vor sich selber.

Heute ist der vierte Advent. Für viele fürs uns in Deutschland und Westeuropa eine wichtige Zeit im Jahr. Die Frage nach Gott ist daher eigentlich legitim.

Nur zu Weihnachten Gott

Die christlichen Kirchen egal welcher Konfession verzeichnen hierzulande an Weihnachten die meisten Besucher. Weihnachten gehört zu unserer Kultur und der Besuch eines Gottesdienstes ist dabei nicht selten ein Teil der weihnachtlichen Folklore. Man macht es für die Kinder, die Oma oder andere Familienangehörige — in seltenen Fällen für sich selber.

Das war beim mir in der atheistischen Phase anders. Ich tat es für mich. Mir gab es einfach etwas, was ich nach wie vor nicht erklären kann. Wenigstens einmal im Jahr in die Kirche gehen — ist das schlimm, ist man deswegen ein schlechterer Mensch? Aus er Sicht Gottes wohl kaum. Er muss nicht gelobt, gepriesen oder verherrlicht werden. Das sind menschliche Verhaltensweisen, weil wir seine Größe nicht fassen können.

Gott braucht keine Zuwendung von uns, keine Opfer. Auch kein Gottesdienst. Er ist einfach da, wenn wir ihn brauchen. Wie ein guter Hirte. Für mich ist schon seit vielen Jahren Psalm 23 eine starke Quelle, aus der ich meine Kraft schöpfen kann, insbesondere Vers 4:

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Er vermittelt ein Gefühl der Geborgenheit. Aufgehoben, egal wo man gerade ist.

Glauben ohne Kirche

Ein alter Streitpunkt ist, ob Glaube ohne Kirche möglich ist. Meiner Meinung definitiv ja. Kirche ist wie Gottesdienst ein Angebot. Eine Stütze, wenn man zweifelt. Hilfe, wenn man im finsteren Tal kein Licht mehr sieht.

Vielleicht tue ich mich mit Gottesdiensten nicht nur zur Weihnachtszeit so schwer, weil sie eine bestimmte Struktur haben, die nicht die meine ist. Gesang liegt mir nicht, Beten ist etwas Privates. Am meisten Halt gab und gibt mir im Gottesdienst immer die Predigt.

Langsam schweife ich aber ab. Ob ich es dieses Jahr an Weihnachten „in die Kirche“ schaffe, ist noch offen. Viele Faktoren spielen eine Rolle, und ja, ich bin auch etwas bequem geworden. Gott wir es mir nachsehen — hoffe ich.

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