Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Die 1. Emder Komische Nacht lässt einen mit einem zwiespältigen Gefühl zurück. Ein paar Details richen noch nach Provinz.

1. Emder Komische Nacht

Die 1. Komische Nacht in Emden. Ein Event gestern Abend, was wie Wasser auf einen vertrockneten Schwamm wirkte. Jedenfalls fühle ich mich seit der Pandemie und dem Umzug in die Provinz ein Stück weit wie ein vertrockneter Schwamm in kultureller Hinsicht.

Gut, die Pandemie konnte ich nicht vorhersehen. Dafür aber, welchen Unterschied es zwischen Köln und Emden es in kultureller Hinsicht gibt. Den Beipackzettel „Kleinstadt auf dem Land“ hatte ich vorher gelesen.

Zurück aber zur Veranstaltung, da gab es ein paar Merkwürdigkeiten im Begleitprogramm. Die Komische Nacht sollte einem anderen Ansatz folgen als etwa die Kölner Theaternacht und ähnliche Veranstaltung in der rheinischen Metropole. Statt die Zuschauer im 220-Minuten-Takt die Lokation wechseln zu lassen, sollten diese an einem Ort bleiben, während die Künstler die Location wechselten.

Ein praktischer Ansatz. Allerdings wusste ich im Vorfeld nicht, dass man auf diese Weise nicht alle Künstler zu sehen bekommt, die man vielleicht sehen möchte. Insgesamt sieben Kleinkünstler gab es, an jedem Ort traten fünf verschiedenen auf. Wir hatten uns für das Grand Café am Stadtgarten und waren somit auf die fünf Künstler und die Reihenfolge ihres Auftretens festgelegt.

Soweit noch ok.

Komische Oliven

Beim Kauf der Tickets online konnte ich keinen Platz reservieren, auch hieß es, es gäbe keinen Anspruch auf einen Sitzplatz. Veranstaltungsbeginn sollte 19:30 Uhr sein, Einlass ab 18:00 Uhr. Wir waren kurz vor sechs da. Und ziemlich überrascht, denn mehr als die Hälfte der Plätze war reserviert. Im Kleingedruckten auf der Eintrittskarte hieß es „In einigen Lokalen sind Tischreservierungen möglich“ — was wohl einige Besucher beim Kauf der Karten vor Ort genutzt hatten. Nicht nur meine Frau und ich waren unangenehm überrascht.

Ehrlich, so was finde ich übel und kenne das aus 10 Jahren mit zahlreichen Veranstaltungen in Köln in der Form nicht. Zum Glück bekamen wir einen guten Platz ab. Wichtige Fragen, wie ob man da was trinken kann und ob es auch was zu essen gibt, wurden durch eine ausliegende Speisekarte beantwortet. Auch für mein Alter (Wo sind die Toiletten) wichtigste Frage wurde schnell geklärt. Vielleicht hätte ich tagsüber auch nicht so viel Tee trinken sollen.

Der von uns im Grand Café bestellte „Komische Teller“ war ordentlich, auch gut präsentiert mit einer dank Stickstoff brodelnden Flüssigkeit. Das hat schon was von Event-Küche. Nur die Oliven waren komisch. Grüne Oliven ok, aber geschwärzte Oliven sind wohl das übelste Industrieprodukt der Neuzeit.

Auftritt der Künstler

Die Komische Nacht bestand allerdings nicht nur aus Gerangel um Sitzplätze und einem Essen, sondern auch hauptsächlich aus dem Auftritt der Künstler:innen. Genauer gesagt waren es vier Männer und eine Frau. Ein gutes Verhältnis, denn Christin Jugsch war so gut wie die vier Männer zusammen. Ok, das ist vielleicht etwas unfair — für die Männer. Die waren auch ok, bis vielleicht auf Bastian Block, der mich persönlich nicht vom Stuhl riss.

Im Übrigen wurde Jugsch in Bremen geboren und lebt seit vier Jahren in Köln. Ich hab ja auch mal zehn Jahre in Köln belebt, bin jetzt aber auf Bewährung draußen. Scherz beiseite. Alex Stoldt gefiel mir auch ganz gut. Don Clarke, eine Klasse für sich, wenn auch etwas derb.

Die nächste Komische Nacht habe ich mir bereist im Kalender notiert. Allerdings definitiv in einer anderen Location. Was überhaupt nicht geht und absolut provinziell ist, liebes Team vom Grand Café am Stadtgarten: Einen Raum für so eine Veranstaltung zu wählen, den ihr sonst als Raucherbereich für eure Gäste verwendet. Meine gesamten Klamotten musste ich gestern Abend in die Waschmaschine werfen. Schaut mal auf en Kalender, wir haben 2022. Nichtraucherschutz sollte ein Thema sein.

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