Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Das Leeraner Spielefest traf gestern auf zwei Neu-Ostfriesen. Begierig wie ein Schwamm sogen sie die Eindrücke auf.

Aufatmen trotz Maske

Seit März 2020 liegt ein Schatten über unseren Brettspielrunden. Zwei einschneidende Ereignisse gab es in der Zeit. Unseren Umzug von Köln nach Emden, den wir bereits 2019 planten. Und die Pandemie, die wir wie wohl die meisten nicht voraussahen. Beides zusammen wirkte sich unerfreulich auf die bisherigen Spieleabende aus. Zum einen fanden keine mehr statt. Wir verzichteten auf die Teilnahme beziehungsweise darauf, selber welche mit mehreren Personen zu veranstalten. Zum anderen wendeten sich auch eine Reihe von Menschen von uns ab, weil wir es wagten, Köln für immer den Rücken zu kehren. Gerade dieses Verhalten schnürte uns mehr den Atem ab als es eine Maske tun würde.

Meine Frau und ich konzentrierten uns daher auf Brettspiele, die sich gut zu zweit spielen ließen. Zudem ergab sich noch vor dem Umzug ein sehr netter Kontakt zu einem Brettspieler hier aus Emden — ein Rettungsanker beim Umzug ins Unbekannte.

Ebenfalls noch vor dem Umzug und auch noch vor der Pandemie las ich etwas über das Leeraner Spielefest. Eine tolle Gelegenheit, Brettspieler in Ostfriesland kennenzulernen, dachte ich damals. Durch die Pandemie fiel das Leeraner Spielefest allerdings dann erstmal ins Wasser.

Glücksfall Leeraner Spielefest

Nach dem Umzug stellte sich dann heraus, dass es in Emden offensichtlich trotz der Einwohnerzahl keine Brettspieler zu geben scheint. Es gibt hier auch keine regelmäßigen Spieletreffs in Emden. Und Läden mit einer guten Auswahl an Brettspielen erst recht nicht. Kurzum, von einem eher paradiesischen Zustand sind wir in der Diaspora gelandet. Wobei ich nach der Erfahrung gestern beim Leeraner Spielefest sagen muss, dass es in Bielefeld in ein paar Punkten besser als in Köln gewesen ist.

Aber der Reihe nach. Zusammen mit einer Kollegin meiner Frau und deren jüngsten Sohn fuhren wir gestern Nachmittag zum Leeraner Spielefest. Das Einzig, was ich vorab genau wusste, war der Eintrittspreis. Meine Erwartungen lassen sich in Bezug auf das Spielefest nur schwer beschreiben. Vielleicht so: Wenn man nichts erwartet, kann man auch nicht enttäuscht werden. Oder aber, nach den gestrigen Erlebnissen: Ich bin positiv überrascht.

Zum ersten Mal nach sehr langer Zeit wieder in einem familiär wirkenden Rahmen neue Spiele kennenlernen zu dürfen, ist ein Glücksfall gewesen. Die Atmosphäre beim Leeraner Spielefest ist vergleichbar mit der Spielewelt in Bielefeld. Anders als bei Großveranstaltungen wie in Essen kommt man auch wirklich zum spielen. Gestern habe ich an nur einem Nachmittag mehr gespielt als bei meinen letzten beiden Besuchen auf der Spiel in Essen.

Über den Tellerrand

Es gibt eine Gefahr beim spielen zu zweit und zu dritt mit immer denselben Personen. Früher oder später wandelt man ganz unabsichtlich auf ausgetretenen Wegen. Meiner Frau und mir ging es etwa in Bielefeld am Ende so. Beruflich bedingt ergab sich keine Gelegenheit mehr, an den offenen Spieletreffen in der Ravensberger Spinnerei teilzunehmen. Wir entwickelten uns spieltechnisch nicht mehr weiter und blickten auch nicht mehr über den Tellerrand.

Dieses Gefühl hatte ich jetzt in Bezug auf die letzten zweieinhalb Jahre wieder. Nur Videos oder irgendwelche Rezensionen vermitteln nicht das Gefühl für ein Spiel so wie beim Leeraner Spielefest. Ohne gestern Nachmittag hätten wir vermutlich nie das geniale „Scout“ gekauft. Oder „Starship Captains“ bestellt. Selbst MicroMacro ließ ich bisher links liegen. Dabei ist es ein recht witziges Spiel, wenn auch eines, was man nur einmal durchspielen kann.

Nochmal bestärkt durch die Eindrücke von gestern bin ich jetzt entschlossen, selber in Emden etwas auf die Beine zu stellen. Stay tuned!

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