Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Nach langem herumspielen mit diversen Farbeffekten und Filtern gibt es eine Erkenntnis. Ich bin tatsächlich schwarzweiß verliebt.

Sehnsucht nach Ewigkeit

Ein YouTuber aus dem Bereich Street Photography bezeichnete Fotos in schwarzweiß als welche, die die Zeit überdauern. Eine Szene, einen Moment festhalten für die Ewigkeit. Bei schwarzweiß fehlt jegliche Ablenkung durch Farben, unser Gehirn interpretiert es trotzdem auf eine ganz eigene Weise.

Auf mich persönlich üben Fotos in schwarzweiß einfach einen besonderen Reiz aus, den ich mir selber nur schwer erklären kann. Vielleicht liegt es ein Stück weit daran, wie ich selber mit der Fotografie anfing. Die ersten Bilder mit meiner Revue nahm ich auf Schwarzweiß-Filmen von Ilford auf. Ob das aus Kostengründe geschah, weiß ich nicht mehr so genau, würde ich aber nicht ausschließen.

Es gab allerdings einen weiteren Grund, den ich hier im Blog häufiger beschrieben habe. Im Weseler Jugendtreff in der Zitadelle bestand die Möglichkeit, in der Dunkelkamera selber Fotos zu entwickeln. Das ging nur mit Schwarzweiß-Negativen. Der Geruch der Chemikalien, die Faszination beim Entwickeln ist tief in meinen Erinnerungen verankert.

Wenn ich heute eigene Schwarzweiß-Fotos betrachte, egal wann und wie sie entstanden, habe ich den Geruch in der Nase. Selbst wenn ich das Foto nur rein digital am Bildschirm betrachte.

Fotografieren in Schwarzweiß

Diese Phase der Schwarzweiß-Filme ging bei mir viel zu schnell vorbei, eine ganze Zeit lang verlor ich auch den Bezug zur Fotografie überhaupt. Im Studium nahm ich den verlorenen Faden wieder auf, fotografiert allerdings ausschließlich in Farbe. Auch dann, als ich zur digitalen Fotografie wechselte. Es gab dann mit Hipstamatic, Instagram und einigen anderen Apps auf dem iPhone Fotos, die Schwarzweiß „entwickelt“ wurden, aber ein Blick in meine Lightroom-Bibliothek bestätigt im Grunde nur die Vermutung. Zu 98 Prozent sind die Bilder dort farbig. Die ohne Farbe sind nachträglich bearbeitet, was allerdings nicht verwerflich ist — digitale monochrome Kameras wie die Leica Q2 sind verdammt teuer.

Während des Borkum-Urlaubs fotografierte ich mit dem Hintergedanken, die Fotos später direkt beim Import in Lightroom in monochrome Bilder umzuwandeln — man kann das bequem über ein Preset regeln. Vorab bastelte ich mich auf der Grundlage eines YouTube Videos ein eigenes Preset, bei dem nicht einfach nur der Schwarzweiß-Modus von Lightroom aktiviert wird. Kräftige monochrome Bilder entstehen, so hieß es in dem Video, durch Entsättigung und Herabsetzung von Temperatur und Tonung.

Ob das Verfahren das Gelbe vom Ei ist, da bin ich mir noch nicht sicher. So langsam bekomme ich jedoch ein Gefühl dafür, wie ich ausdrucksstärkere Schwarzweiß-Fotos in Lightroom ohne fremde Presets erstellen kann.

Noch fühle ich mich ganz am Anfang einer faszinierenden Reise, aber jeder Tag, an dem mir ein Foto in schwarzweiß gelingt, fühlt sich gut an.

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