Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Bei schlechtem Wetter sind die Schlagzeilen in den Medien fast egal. Wutbürger finden immer etwas zum Aufregen.

Regen führt zu Aufregen

Ein erheblicher des regnerischen Herbstwetters wird einem diese Tage wieder deutlich vor Augen geführt. Offensichtlich führt Regen zu Aufregen. Wutbürger, die sonst draußen das gute Wetter nutzen konnten, sitzen jetzt vermehrt vor ihren Computer (oder hängen am Smartphone) und schreiben Leserbriefe. Oder hinterlassen Kommentare in den sozialen Medien. Dabei spielt es keine Rolle, ob diejenigen in einer Kleinstadt wie Emden oder Großstadt wie Köln wohnen. Irgendwas zum Aufregen findet der Wutbürger immer.

In Köln rief am vergangenen Freitag zum ersten Mal der Muezzin vor der Zentralmoschee Köln in Ehrenfeld zum Gebet. Oberbürgermeisterin Henriette Reker ermöglichte das im Rahmen eines Modellversuchs. Zwei Minuten 36 Sekunden bei einer „Lautstärke“ von 60 Dezibel brachte Wutbürger und ihre Azubis wie zum Beispiel bei der Emma zum schäumen.

Nein, der Ruf des Muezzin ist weder der Untergang des Abendlandes noch ein Ruf des Schreckens, der Frauenrechte in Abrede stellt. Es ist ein Zeichen gelebter kultureller und religiöser Vielfalt und längst überfällig gewesen. Kritiker sollten sich auch vor Augen führen, was ihnen lieber ist. Eine öffentlich sichtbare Moschee oder aber Gebetsräume in irgendwelchen Hinterhöfen und Industriegebieten?

Emden sammelt Wutbürger

Kommen wir aber zu Emden. Wutbürger gibt es auch hier, aber zum Glück nicht so viele wie Sand am Meer. Wobei ich persönlich immer den Eindruck habe, sie wurden in den sozialen Medien besonders lautstark auftreten und sich durch bestimmte Themen vermehren wie die Karnickel. So zum Beispiel angesichts der Nachricht, dass die Emder Jugendherberge erneut eine Flüchtlingsunterkunft wird. Am Rande erklärt sei hier schon mal für alle Wutbürger, was „Erneut“ bedeutet. Die Jugendherberge war bereits im letzten Winter als Möglichkeit zur Unterbringung genutzt worden.

So was ist Berufshetzer jedoch genauso egal wie der Umstand, dass durch die Belegung der Jugendherberge in dieser sonst belegungsfreien Zeit deren Existenz gesichert wird. Wutbürger mögen keine Flüchtlinge. So scheint es wohl zu sein. Menschlichkeit angesichts der um ihr Leben aus der Ukraine Fliehende kennt man nicht. Stattdessen versucht man, deutsche Schüler:innen als durch die Entscheidung benachteiligt darzustellen, obwohl im Winter keine Klassenfahrten stattfinden.

Beim Lügen ertappt wird dann zu deutschen Obdachlosen gegriffen, die man hätte auch in der Jugendherberge unterbringen können – dabei unterschlagen, dass es für die genügend andere Optionen gibt.

Immerhin empfand ich es diesmal als sehr tröstlich, wie viel Gegenwind die Emder Wutbürger auf Facebook für ihre Hetze bekamen.

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