Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Die Beschädigung eines Gemäldes durch Aktivistinnen zeigt ein Mangel an Wertschätzung für die Bedeutung von Kunst auf.

Bedeutung von Kunst

Über Kunst kann man trefflich streiten. Worüber man aber eigentlich nicht streiten kann oder zumindest sollte, ist der Stellenwert von Kunst. Ohne sie wäre unser Leben deutlich ärmer, auch wenn wir ihr Vorhandensein im Alltag nicht immer direkt bemerken. Sie durchdringt viele Bereiche und macht das aus, was uns über unsere bloße Existenz erhebt. Mit anderen Worte: Sie macht uns als Spezies aus.

Über die Jahrhunderte, gar Jahrtausende haben Menschen viel auf sich genommen, um Kunstwerke zu erschaffen. Manche sind verfolgt worden, geächtet, mussten ihr Leben lassen. Durch den Deutschunterricht stieß ich auf den Bildhauer Ernst Barlach, dessen Werke mich tief beeindrucken.

Deutsch, Musik, Kunstunterricht — Schule hat meiner Meinung nach immer auch einen anderen Wert, als lediglich auf das Berufsleben vorzubereiten. Bildung heißt auch Durchdringung. Im Fall von Barlach bedeutet es, Werke und Biografie als Einheit des Schaffens zu begreifen.

Spannend ist auch die Biografie von Vincent van Gogh. Damals im Schulunterricht sollten wir sein Bild „Die Sternennacht“ nachmalen. Es kam sehr unterschiedliche Interpretationen seines Werkes heraus. Damals machten wir uns darüber lustig, aus heutiger Sicht bin ich aber eher dankbar für den Kunstunterricht.

Barbaren zerstören Kunstwerke

Für mich persönlich gibt es zwei Dinge, denen ich einen sehr hohen Stellenwert einräume. Bildung und Kunst. Sie gehören für mich zusammen, sie sind es, die eine Grenze zur Barbarei ziehen. Barbaren zerstören Kunstwerke. Aus Unwissenheit, weil sie mit ihnen nichts anfangen können, oder absichtlich, weil sie wissen, welche Narben die Zerstörung hinterlässt. Es ist kein weiter Weg von der Verschandelung eines Kunstwerks zu den Menschen, die vor einiger Zeit von „Entartete Kunst“ sprachen.

Wenn Aktivistinnen in der National Gallery in London Tomatensuppe auf ein Gemälde von Van Goghs verwerfen und sich anschließend an die Wand kleben, fehlen mir einfach grundsätzlich das Verständnis für die Aktion. Es fängt schon mit der Verschwendung von Lebensmitteln an.

Die Frage, ob Kunst mehr Wert ist als Leben, wie eine der Aktivistinnen gerufen haben soll, zeugt von einem tiefen Missverständnis. Ohne Kunst ist kein Leben möglich, sondern lediglich ein vegetieren. Die Aktion von Just Stop Oil ist in meinen Augen ein Akt der Barbarei. Er sorgt für Aufmerksamkeit, Entsetzen — dient aber nicht der Sache.

Vielleicht haben wir irgendwo zu sehr gespart, im Schulunterricht dahingehend versagt, den Schüler:innen den immateriellen Wert von Kunst zu vermitteln. Der lässt sich in keine Zahl fassen, anders als der schnöde Wert des Gemäldes „Sonnenblumen“ in Höhe von rund 84 Millionen Euro.

2 Kommentare

  1. Mensch kann von dieser Aktion halten, was er*sie will, aber ich finde, dass der Aspekt, dass das Bild von einer Glasscheibe geschützt war, irgendwie immer weggelassen wird, schon zeigt, worum es geht. Es geht nicht darum, sich mit dem Anliegen der Aktivist*innen auseinander zu setzen, die in 50 Jahren – wenn das mit dem Klimawandel so weitergeht – die Kunst auch nicht mehr genießen können. Es geht nur darum, die Aktivist*Innen selbst in das schlechteste Licht zu rücken, um sich mit den eigentlichen Themen dann noch weniger beschäftigen zu müssen. Ich bin mir nämlich ziemlich sicher, dass den Aktivist*Innen bekannt war, dass da eine Glasscheibe vor dem Bild war und sie das Bild selbst gar nicht beschädigen können.

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