Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Noch wird für den Besuch der Emder Fußgängerzone kein Eintritt erhoben. In der Gastronomie hat das Gedankenspiel längst begonnen.

Stock im A…

Morgens, kurz nach acht, in Ostfriesland. Da gestern Abend sich bei uns drei Leuchtbirnen in der Küche verabschiedeten und von smart auf tot wechselten, fuhr ich in aller frühe vor Arbeitsbeginn zum Baumarkt. Vor dem ehedem ziemlich missglückten Fahrradständer mit Packstation stand vor eben dieser ein junger Mann, der eine Amazon-Retoure loswerden wollte. Freundlicherweise hatte er mit seinem Mercedes noch so viel Platz gelassen, dass ich an den Fahrradständern dran kam. Weniger freundlich fand ich den Umstand, dass der Motor des Fahrzeugs über mehrere Minuten lief. Die Anmerkung „kleine Umweltsau“ konnte ich mir dann nicht verkneifen.

Anscheinend sind die Preise an den Tankstellen immer noch nicht hoch genug, dass sie zum echten Energiesparen motivieren. Oder aber es war dem jungen Mann einfach scheißegal. In der Lampenabteilung hatte ich dann die nächste merkwürdige Begegnung. Ein Mitarbeiter hing etwas auf, fühlte sich auch etwas gestört durch die Anwesenheit von Kunden zur Öffnungszeit. Jedenfalls, auf mein höfliches „Moin!“ — ich hatte nicht mal nach Beratung gefragt, obwohl ich welche gebraucht hätte — kam ein extrem formelles „Guten Morgen“ zurück. Vermutlich ein adoptierter Nordrhein-Westfale oder was auch immer. Die Mitarbeiterin an der Kasse machte das mit ihrer guten Laune wieder wett.

Zudem musste ich für den Besuch im Baumarkt keinen Eintritt zahlen.

Kein Gast mit Eintritt

Eintritt im Baumarkt klingt komisch, hat aber einen ernsten Hintergrund. Vor einigen Monaten hörte ich zum ersten Mal von Gastwirten, die für ihr Restaurant Eintritt verlangten. Um die höheren Kosten durch Corona und Ukraine-Krieg zu kompensieren, ohne generelle die Preise deutlich anzuheben. Heute brachte die Emder Zeitung eine Reihe kurzer Statements von Emder Gastronomen. Mehrheitlich wird die Idee, Eintritt für die Lokalität zu verlangen, verworfen.

Wenn die Betriebskosten steigen, so die Sichtweise, auf die Preis umlegen. Ein Eintritt würde nämlich eine abschreckende Wirkung habe, gerade wenn bei den Menschen das Geld weniger locker sitzt. Den psychologischen Effekt darf man auf keinen Fall unterschätzen. Viele Menschen müssen auch ganz andere Prioritäten setzen und können sich essen gehen nicht leisten.

Persönlich finde ich das gut, was ich zum Teil schon bei einigen Restaurants gelesen habe. Die Erhebung einer Gebühr, wenn eine Reservierung nicht rechtzeitig abgesagt wird. Man könnte meiner Meinung sogar noch weiter gehen und eine Bearbeitungspauschale von zwei Euro pro Reservierung erheben. Das tut dem Gast nicht weh und ist vergleichbar mit einer Platzreservierung im Zug — die Übrigen erheblich teurer ist.

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