Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Noch wird in Ostfriesland kein Preis für die hässlichste Innenstadt vergeben. Dabei hat man sich in Emden schon gefreut.

Tote Innenstadt

Eine schöne Innenstadt in Deutschland ist so eine Sache für sich. Besonders groß wird dann die Herausforderung, wenn sie unverwechselbar sein so. Auf der anderen Seite erleichterte es natürlich die Orientierung, wenn man egal wo im Land aus dem Bahnhofsgebäude kommt und die immer gleichen Filialen in der Innenstadt vorfindet. Wobei der Bahnhof nicht immer zentral liegt. Manchmal befindet es sich jenseits der Weser (schöne Grüße nach Minden).

Es ist auch kein Geheimnis mehr, dass die Innenstädte in Deutschland vom Aussterben bedroht sind. Dazu kommt noch ein Imageproblem. Hier in Emden lässt sich auch ganz gut die Broken-Windows-Theorie belegen. Je größer der Leerstand in der Fußgängerzone ist, desto mehr weitere Geschäfte schließen. An dieser Stelle würde ich jedoch nicht müde zu betonen, wie lange solche Probleme bereits existieren. Es liegt nicht an Corona, sondern es handelt sich dabei um jahrelange Entwicklungen. Einkaufzentren auf der grünen Wiese (mit guten Parkmöglichkeiten), steigen Preise für Gewerbeimmobilien in Innenstadtlage und der stetig weiter wachsende Onlinehandel.

Dazu kommen dann fantasielose Konzepte und Fehlplanungen an Sahnehäubchen obendrauf. Land auf, Land ab, ein ähnliches Bild. Ob Kleinstadt, Mittelstadt oder Großstadt macht dabei keinen wirklichen Unterschied.

Was mit Haaren

Kommen wir aber mal zur Innenstadt in Emden — beziehungsweise zu dem, was davon noch übrig ist. Läuft man zum ersten Mal völlig unvoreingenommen durch die Fußgängerzone, muss man den anschließenden Schock erstmal verdauen. Viel vom bereits erwähnten Leerstand, dazu Geschäfte, die man vermutlich selber nie betreten würde. Was für Einheimische schon eine Herausforderung ist, dürfte auf Touristen abschreckend wirken.

Meiner Meinung nach bräuchte es noch ein paar originelle Gastronomie-Konzepte, zum Beispiel ein Pfannkuchenhaus in den leerstehenden Räumen einer ehemaligen Bäckerei. Aber gut, was weiß ich schon. Selbst eine sogenannte Premiumlage wie Zwischen Beiden Sielen in der Innenstadt bietet keine Gelinggarantie.

Nach lange Nachmietersuche werden jetzt immerhin zwei Geschäftsräume neu bezogen. Die schlechte Nachricht dabei: Es werden zwei Frisöre. Persönlich habe ich nichts gegen Frisöre, aber so langsam besteht die Innenstadt gefühlt zu über 50 Prozent aus Friseurgeschäften. Für eine Kleinstadt wie Emden ist das definitiv zu viel. Attraktiv macht das Emden im Übrigen auch nicht.

Nur meckern kann jeder, konstruktiv sein ist dagegen schwer. Ich bin kein Profi in Bezug auf Stadtplanung, aber es wäre meiner Meinung nach sinnvoll, wenn sich Vermieter und Stadt an einen Tisch setzen würden und gemeinsam Ziele definieren, in welche Richtung sich die Fußgängerzone entwickeln soll. Nur gemeinsam kann man sich dem Leerstand entgegenstellen.

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