Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Bei Cyberpunk 2077 ist die Open World von Night City tot. Sie reizt nicht zum eigenständigen Erkunden wie in anderen Spielen.

Cyberpunk 2077 mit Beigeschmack

Mitte Februar schlug ich zu und kaufte mir endlich Cyberpunk 2077. Zu dem Zeitpunkt fürchte ich allerdings, das Spiel nie zu Ende zu spielen — genau wie Witcher 3. In zu großen Open World Spielen verliere ich mich regelmäßig, bis dann der Handlungsfaden abreißt. Nun, die Befürchtung hat sich nicht bewahrheitet. Nach fast fünf Monaten bin ich jetzt durch mit Cyberpunk 2077. Dabei gab es eine gehörige Ernüchterung, da sich einige Aspekte des Spiels als Illusion erwiesen. Zum Beispiel die Sachen mit der Open World — aber dazu später noch mehr.

Nach gut 55 Spielstunden kam ich zu einem wenig befriedigenden Ende der Story. Wie das Ende aussehen würde, wenn ich mich an der einen oder anderen Stelle anders entschieden hätte, bleibt ungewiss. Mich interessiert es auch nicht. Einige Nebenmissionen fand ich interessanter als die Hauptstory, Johnny Silverhand ging mir gegen Ende richtig auf den Zeiger.

Das sind aber bei Weitem nicht die größten Probleme, die ich mit dem Spiel habe. Das gesamte Crafting-System wirkt auf mich kaputt. Schlimmer noch, die RPG-Elemente funktionieren nicht. Es gibt keine Klassen, sondern man muss sich im Dschungel der Fertigkeiten irgendwie selber zurechtfinden. Zu jedem Attribut wie etwa Intelligenz gibt es zwei bis drei umfangreiche Fähigkeitsbäume. Bei jedem Stufenanstieg nur ein Fertigkeitspunkt und einen Attributspunkt zu bekommen, reicht nicht mal, um einen Bereich zu meistern.

Falsche Schwerpunkte

Immer wieder bekam ich den Eindruck, nicht wirklich V nach meine Vorstellungen formen zu können. Da nützen auch die vielen optischen Einstellungen zu Beginn des Spiels nichts. Keine wirkliche Kontrolle zu haben — auch ein Bestandteil der Story, ohne jetzt zu viel zu verraten. Normalerweise verbringe ich Stunden in Spielen, um die Open World zu erkunden. Bei Cyberpunk 2077 dürste es mich nie, Night City abseits jeder Mission auf eigene Faust zu erkunden. In die meisten Bereiche kam man nicht rein, Türen, die einfach verschlossen waren oder Bereiche, die tot wirkten. Dazu bergeweise Texte, die man am Fernseher auf dem Sofa sitzend nicht wirklich allesamt liest.

Für mich stellte sich auch die Frage, warum ich mir ein Fahrzeug oder zusätzliches Apartment kaufen sollte. Spielerisch wirkte sich das nicht aus. Man kann auch nichts umgestalten wie etwa bei Skyrim oder gar selber bauen wie in Fallout 4. Kurzum, über die Story hinaus bietet Cyberpunk 2077 zu wenig. Die noch immer vorhandenen Bugs sind nicht das Problem, sondern die grundsätzlichen Fehler im Konzept.

Bei den Gegenständen und der Cyberware stellt sich nie das Gefühl ein wie bei anderen Spielen, wo man sich seine perfekte Ausrüstung mit der Zeit zusammen stellt. Die Angebote der Händler wirken in Night City auch überwiegend drittklassig. Nichts, worauf man lange spart.

Unechte Open World

Vor Cyberpunk 2077 spielte ich zwei andere Open World Spiele. No Mans Sky, was man eigentlich nie zu Ende spielen kann ist dabei eine Kategorie für sich. Vergleichbar aus meiner Sicht ist dagegen The Legend of Zelda: Breath of the Wild. Hier ist die Open World wirklich offen und lädt zum stundenlangen Erkunden ein. Es macht auch Spaß, mit Link besser zu werden, was eine Mischung aus seinen Fertigkeiten und eigene Fertigkeiten im Umgang mit dem Controller liegt.

Das Sammeln von Gegenstände ist bei Breath of the Wild definitiv wichtig, da man sich mit den richtigen Zutaten Tränke und Mahlzeiten kochen kann, die wirklich weiterhelfen. Klar ist Breath of the Wild gradliniger, aber dafür kann man sich mehr auf die Geschichte einlassen ohne sich zu fragen, was man durch eine falsche Entscheidung eventuell verpasst hat.

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