Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Anders als Vitaminpräparate ist die Baupolitik der Stadt Emden nicht wirkungslos. Sie vernichte Naturschutzgebiete zugunsten von Luxusimmobilien.

Toilettenreinigung durch Vitaminpräparate

Siebzig Prozent der Deutschen machen sich laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung gerne selber etwas vor und schlucken Vitaminpräparate. Eine erschreckend hohe Zahl und für die Hersteller der sogenannten Nahrungsergänzungsmittel ein verdammt gutes Geschäft. Bisher wusste ich nur, dass Vitaminpräparate mehr oder weniger wirkungslos sind — zumindest bei einer normalen Ernährungsweise. Die SZ berichtete jedoch von einer Meta-Analyse Daten, bei der Daten aus 84 Studien mit insgesamt mehr als 730 000 Teilnehmer:innen ausgewertet wurden.

Sagen wir mal so: Das Ergebnis der Analyse spricht für Vitaminpräparate. Im Gegenteil, denn man kann sich damit sogar massiv schaden. Es gibt im Zusammenhang mit der Einnahme der Nahrungsergänzungsmittel eine Häufung bei Krebs- und Herzkreislauferkrankungen. Für die Hersteller der frei verkäuflichen Vitaminpräparate ist das keine gute Nachricht.

Wie wenig sinnvoll Vitaminpräparate sind, darüber berichtet auch schon ZDF besseresser. Natürlich gibt es Fälle, wo die Einnahme von Vitaminen zur Nahrungsergänzung geboten ist. Das aber sollten immer unter ärztlicher Betreuung erfolgen. Insbesondere Kombipräparate setzen ja auf das Motto „viel hilft viel“. Im günstigsten Fall werden die Vitamine wieder vom Körper ausgeschieden und laden somit in der Toilette.

Persönlich halte ich nichts von Nahrungsergänzungsmitteln, insbesondere dann nicht, wenn sie quasi als Ersatz für eine ausgewogene Ernährung angepriesen werden.

Vermarktung der Feuchtwiese in Emden

Persönlich halte ich auch wenig davon, wenn man eine Feuchtwiese, die bedeutsam für den Wiesenvogelschutz ist, in ein Neubaugebiet umwandelt und dafür dann auch noch den Umweltdinosaurier des NABU kassiert. Kritik an der Umwidmung der 17 Hektar große Fläche Conrebbersweg-West perlt am Oberbürgermeister Tim Kruithoff ab. Das gehöre halt zu einer Demokratie dazu, meint er. So wie das Hintergrundrauschen, wenn man am Bach wohnt (ergänze ich).

Die Art und Weise der Berichterstattung darüber in der Emder Zeitung ist auch etwas befremdlich. Da werden schon mal Gegner des Bauvorhabens als „Protestler“ herabgesetzt. Seitens der Stadt erhofft man sich ein paar Neubürger. Die allerdings wohlhabend sein müssen, denn laut EZ liegen bereits kleine Einfamilienhäuser oder Doppelhäuser im Preissegment zwischen 600 000 und 700 000 Euro —wobei das noch nicht die finalen Baukosten wären, denn es ist noch viel Luft nach oben.

Politisch ist das eine Entscheidung, die sich gegen Naturschutz und die Emder:innen richtet. Es wird ein wichtiges Feuchtgebiet geopfert, um Neubürger nach Emden zu locken, mit einem Filetstück direkt am Larrelter Tief. Frag sich, wie viel Luxusbauprojekte sich die Stadt eigentlich noch leisten muss, bis ihr der Widerstand mal so richtig um die Ohren fliegt.

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