Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Jedes zweite in Deutschland neu verkaufte Fahrrad ist mittlerweile ein E-Bike. Mehr als nur Bequemlichkeit sprechen dafür.

Zu Fuß war gestern

Über viel zu viele Jahre hinweg war ich lediglich als Fußgänger unterwegs — abgesehen von Fahrten mit Zug und Straßenbahn (extrem selten Bus, aber das hat Gründe). Fahrradfahren begleitet mich vorher durch meine gesamte Kindheit und Jugend. Am Niederrhein gehört es einfach mit dazu, bis man alt genug ist für ein Mofa und später dann den Autoführerschein macht.

Obwohl ich von zu Hause aus Gelegenheit bekam, wurde ich nicht zum Mofafahrer. Den Führerschein fürs Auto machte ich erst mit 20. Allerdings weniger aus Umweltschutzgründen denn aus der Weigerung heraus, mich erpressen zu lassen. Tanzkurs gegen Führerschein, so was zog bei mir nicht.

Nach den ersten Fahrradunfällen in Bielefeld und mit dem Bau der Uni-Linie fuhr ich dann nur noch extrem selten Fahrrad. In Köln nutzte ich die erste zwei Jahren häufige rein Leihrad, bevor der Umzug nach Nippes schließlich alle Ambitionen in Bezug auf dieses Fortbewegungsmittel erlahmen ließ. Erst hier in Emden fühle ich mich wieder sicher auf zwei Rädern unterwegs. Aus einem Fahrrad sind mittlerweile drei geworden, schließlich braucht man für jede Gelegenheit ein anderes Rad. Trotz Waden statt laden bin ich gedanklich mit dem Thema E-Bike für mich persönlich wohl noch nicht ganz durch.

Wind trotzen mit E-Bike

Wenn mich gelegentlich (Tendenz steigend) ein E-Bike überholt, juckt mich das nicht. Auch die Brücken hoch ist mir das Wurst. Schließlich kann ich mich damit trösten, dass ich nur dank der elektrischen Unterstützung überholt wurde — weniger aufgrund von sportlicher Leistung. Anders gesagt, ein Stück weit ist ein E-Bike schon etwas unsportlich.

Strampelt man aber gegen heftigen Wind, was hier in Ostfriesland häufiger vorkommen kann, dann sieht die Sache etwas anders aus. Erfahrene Radler wissen zudem: der Wind kommt immer von vorne. Vor ein paar Woche traf das trotzt unterschiedlicher Richtungen, in die ich fuhr, ziemlich genau zu.

Der zweite Aspekt ist die Reichweite, die man als Fahrradfahrer hat. Mal locker nach Norden und zurück — ohne Unterstützung ist das schon (mit zunehmenden Alter) eine Herausforderung. Fies ist es dann, wenn dann ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung auf mehr oder weniger fruchtbaren Boden fällt. Dabei ging es eigentlich nur um einen Testbericht von ein paar neuen Modellen. Vier E-Bikes im Test. Darunter auch das E-Bike, darunter auch der Stromer ST3 Pinion. Zum ersten Mal traf ich auf den Unterschied zwischen Pedelec, S-Pedelec und E-Bike. Für mich sind das ja eigentlich alles E-Bikes.

Antrieb macht den Unterschied

Ein echtes E-Bike ist ein Rad, was sich auch ohne Pedaldruck fährt. Mal muss also gar nicht strampeln. Dagegen ist ein Pedelec etwas, wo der Pedaldruck erforderlich ist. Der Motor dient nur zur Unterstützung. Das Gleiche gilt für ein S-Pedelec, allerdings erreicht das eine Maximalgeschwindigkeit von 45 km/h, während das Pedelec maximal 25 km/h fahren darf. Sowohl für S-Pedelecs als auch E-Bikes gelten Versicherungspflicht. Beim S-Pedelec greift zusätzlich noch die Helmpflicht.

E-Bikes dürfen zudem auf Radwegen unterwegs sein, die auch für Mofas freigegeben wurde. Dagegen sind die für S-Pedelecs tabu. Man benötigt für S-Pedelecs nicht nur einen Führerschein der Klasse AM, sondern darf keine Radwege benutzen. Man ist also komplett im Straßenverkehr unterwegs — wird aber von Autofahrern als Fahrradfahrer wahrgenommen. Das birgt Konfliktpotenzial. Der Vorteil der höheren Geschwindigkeit ist für mich damit irrelevant, denn das Risiko ist deutlich höher. An einer Bundesstraße mit Fahrradweg auf der Straße mit einem S-Pedelec fahren zu müssen wäre nichts für meine Nerven.

Vorerst bleibt das aber alles nur ein Gedankenspiel, wobei es spannend ist, mal etwas tiefer in die Thematik einzutauchen.

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