Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Mindesttemperatur auf dem Prüfstand

Freiwilliges Energiesparen ist besser als staatlicher Zwang mittels Absenkung der Mindesttemperatur. Zumal es vor allem der Industrie dient.

Frieren für den Frieden

Gas wird knapp, was sich wohl auch Menschen auf friesischen Halligen mittlerweile wissen. Wer für die Wärme in seinen vier Wänden selber verantwortlich ist, hat eine ganze Reihe von Optionen. Fein raus sind diejenigen, die weder mit Gas, Öl oder Kohle heizen. Während noch vor einigen Jahren das Heizen mit Strom ein No-Go war (hier kommen mir auch immer Erinnerungen an Nachtspeicheröfen hoch), ist man damit aktuell zumindest in einer Hinsicht aus dem Schneider.

Strom ist flexibel, er lässt sich nämlich auf ganz unterschiedliche Art und Weise produzieren. Atomkraftwerke, Windräder oder Solarenergie — selbst die Schwiegermutter auf dem Fahrrad mit angeschlossenem Dynamo — können ihn produzieren. Wird er regenerativ produziert, ist er eine verdammt gute Alternative zu Gas. Niedrigenergiehäuser und Wärmepumpe sind auch gute Möglichkeiten.

Wer nach wie vor auf Gas angewiesen ist, stellt sich auf höhere Preise ein. Entweder durch sparen oder durch die Reduzierung des Verbrauchs. In jedem Fall hat man es selber in der Hand. So wie wir, denn unser Haus hat auch eine Gasheizung (die auch für das heiße Wasser zuständig ist).

Absenkung der Mindesttemperatur

Dabei wohnen wir zur Miete, können aber eben selber entschieden. Genau wie diejenigen, die eine Gasetagenheizung haben. Man entscheidet selber über die Mindesttemperatur seiner bewohnten Räume und kann die Wohlfühltemperatur individuelle festlegen.

Wer dagegen auf die Zentralheizung des Gebäudes, in dem er zur Miete wohnt, angewiesen ist, wird sich im Winter unter Umstände auf eine neue Mindesttemperatur einstellen müssen. Wie gestern der Presse zu entnehmen war, fordern der Verband der Wohnungsunternehmen und die Bundesnetzagentur, die gesetzlich festgelegte Mindesttemperatur beim Heizen zu senken.

Statt wie bisher soll die Mindesttemperatur nicht mehr zwischen 20 und 22 Grad liegen, sondern bei knapper werdenden Gasbeständen auf 18 Grad tagsüber eingestellt werden können. Weinkenner wissen, dass diese mal ein Wert war, den man als „Raumtemperatur“ bezeichnete.

Die Wohlfühltemperatur sieht bei jedem von uns anders aus. Manche mögen es lieber etwas wärmer als andere. Eine Wohnung bei 18 Grad empfinden die meisten von uns allerdings als ungemütlich kalt. Zudem gibt es Menschen, die schneller frieren — auch nimmt die Temperaturfühligkeit im Alter zu. Pauschal alle zum Frieren zu zwingen, halte ich für verwerflich — die Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) hält es für unsinnig.

Es ist in meinen Augen auch ein Armutszeugnis, wenn man wie der Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrates die bisherige Priorisierung bei der Versorgung im Notfall infrage stellt. Wolfgang Steiger warnt davor, wenn die Industrie zuerst kein Gas mehr erhalte, das würde nämlich Arbeitsplätze kosten.

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