Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Routenplanung für Lehrkräfte

Am Desaster eines Schulausfluges von deutschen Schüler:innen im Vorarlberg war nicht nur die Routenplanung schuld.

Deutsche im Gebirge

Die Rettung von 107 Schüler:innen und ihren Lehrkräften aus den österreichischen Bergen in Vorarlberg diese Woche beschäftigt nicht nur Eltern und Angehörige. Es wird nach Schuldigen für die schief gelaufene Wanderung gesucht. Im Raum stehen Kosten von mehreren tausend Euro für den Rettungseinsatz der Bergwacht.

Liest man sich die Details zu der Wanderung durch, stößt man unweigerlich auf ein Klischee — an dem aber doch einiges zutreffendes dran ist. Deutsche in den Bergen Österreichs mit, wie es heißt, „nicht alle trugen optimales Schuhwerk“. Unabhängig von der Routenplanung (zu der ich gleich noch komme) ist das Thema richtiges Schuhwerk ein Dauerbrenner. Wer in den Bergen mit Turnschuhen oder schlimmeren unterwegs ist, gefährdet sich und anderer.

Bereits bei Thema Schuhwerk hätten die Lehrkräfte schon von der Klassenfahrt auf passende Ausstattung explizit hinweisen müssen. An der Wanderung selber hätten dann Schüler:innen ohne passende Schuhe nicht teilnehmen dürfen.

Als weitere Faktor unabhängig von jeglicher Routenplanung kommt das Wetter dazu. In Tagen vor der hatte es Regenfälle gegeben. Zudem soll es während der Wanderung ebenfalls zu einem Regenschauer gekommen sein.

Wer auch nur ansatzweise Erfahrungen hat, weiß um die Gefährlichkeit auch „leichter“ Strecken, wenn diese nass sind. Das behaupte ich nicht einfach so, sondern kenne aus eigene Erfahrungen beim Wandern den Unterschied. Ohne entsprechende Erfahrung sollte man meiner Meinung nach mit Schüler:innen keine Wanderung in den Bergen unternehmen.

Sorgfalt bei der Routenplanung

Kommen wir aber zum Punkt Routenplanung. Auch hier kann ich wieder exemplarisch meine Erfahrungen als Beispiel nehmen. Bei den ersten „Gehversuchen“ sind meine Frau und ich noch relativ blauäugig an die Strecken herangegangen. Mit entsprechendem Ergebnis. Auf Strecken, die in diversen Apps und Portalen angeboten wird, kann man sich nicht blind verlassen. Hinzu kommen noch Ungenauigkeiten bei der Navigation hinzu, wenn man sich lediglich aufs Smartphone verlässt. Selbst ein ordentliches Navi, was bei Wanderungen meiner Meinung nach zur Grundausstattung gehören sollte, ersetzt nicht den gesunden Menschenverstand.

Zudem ist Routenplanung nichts, was man „mal eben“ machen kann. Insbesondere nicht, wenn man eine Strecke in einer einem selber unbekannten Gegend plant. Man muss hier im Übrigen nicht immer zwangsläufig Berge heranziehen. Auch hier an der Küste kann Unerfahrenheit tödlich sein. Aus diesem Grund sollte man nie auf eigenen Faust eine Wattwanderung machen, sondern immer betreut von einem Wattführer.

Bei der Routenplanung sollte man sich nicht ausschließlich auf eine Quelle verlassen. Vor allem gilt es grundsätzlich die Vertrauenswürdigkeit einer Quelle zu prüfen. Offizielle Wanderführer kann ich wärmstens empfehlen, ebenso wie zertifizierte Strecken. So liest man etwa auf einer Internetseite über die Eselstreppe bei Brohl „ein phantastischer aber auch gut gesicherten Felspfad“.

Subjektive Selbstüberschätzung

Meine Frau und ich sind einige Etappen des Rheinsteigs gewandert. Die besagte Eselstreppe kennen wir. Gut gesichert ist hier eine subjektive Einschätzung. Ohne richtiges Schuhwerk und Schwindelfreiheit würde ich den Pfad niemanden empfehlen. Bei Regen sollte man davon ganz Abstand nehmen. Jeder schätzt einen Pfad anders ein. Was für geübte Wanderer einfach aussieht, kann für unerfahrene zu einer großen Herausforderung werden. Insbesondere dann, wenn man eine Gruppe von 12 bis 14-Jährigen dabei hat, die sehr unterschiedliche Voraussetzung mit sich bringen.

Fatal bei jeder Wanderung ist immer auch die Selbstüberschätzung.

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