Von allen guten und bösen Geistern verlassen

In Emden scheint ein neuer Zaun zu einer Art Lebensaufgabe zu werden. Ursache ist offensichtlich ein geringes Interesse an Neukunden.

Wir brauchen einen Zaun

Irgendwie begleiten mich Zäune schon mein ganzes Leben. Damals zu Hause gab es vorwiegend Hecken, aber Zäune waren mir auch in Form der klassischen Jägerzäune bekannt — ein Inbegriff der deutschen Piefigkeit. Allein die Farbe wirkt mehr als abtörnend. Dazu kam der Verdacht, hinter jedem Jägerzaun würde eine Schar Gartenzwerge lauern.

Andere Zäune boten dagegen eine unterhaltsame Herausforderung. Bekannt dürfte wohl die Mutprobe sein, einen elektrischen Zaun an einer Weide anzufassen. Bliebt auch in der Variante, den letzten in der Kette trifft der Schlag. Eher selten kletterte ich über Zäune, es gab einfach nicht genügend verbotenes bei uns in der Gegend dahinter.

Mit zunehmenden Alter nahm ich Zäune dann weniger wahr. Natürlich gab es sie nach wie vor, es gab aber wichtigere Dinge in meinem Leben. Erst durch den Umzug nach Emden änderte sich das. Der Zaun des Hauses, in dem wir jetzt wohnen, hat eine Lücke. Zudem eine Autoauffahrt mit Gartentor. Da wir auch eine Garage und gar kein Auto haben, benötigen wie diesen zweiten Stellplatz nicht. Abgesehen davon kann man so aufs Grundstück schauen. Nicht nur das, haben wir Wohnzimmertür und Haustür auf, könnte man von hinten bis nach vorne auf die Straße schauen. Das missfällt vor allem mir.

Erfahrung mit Gartenbauern.

Die Grundidee sprachen wir letzten Sommer mit unserem Vermieter ab. Wir dürfen den Zaun erweitern lassen und die Auffahrt schließen. Gleichzeitig verschwindet dann auch die unsinnige Bastelei der Vormieter — ein Mülltoneinstellplatz aus schlecht zusammengenagelten Euro-Paletten. In diesem Jahr wollten wir dann die Sache mit dem Zaun angehen. Allerdings scheint sich das schwieriger als erwartet darzustellen.

Vor über einem Monat hatte ich den Chef einer Gartenbaufirma zu Besuch. Nach einem halbstündigen Gespräch, bei dem es nur kurz um den Zaun ging, dafür aber über Gott und die Welt gesprochen wurde — er hat auch wie ich in Bielefeld studiert — wurde mir ein Angebot zugesagt. Auf das warte ich noch heute. Telefonische Rückfragen und eine in dieser Woche abgeschickte Mail blieben ohne Ergebnis. Offensichtlich hat man so gut zu tun, dass man auf neue Kunden nicht angewiesen ist (kenne ich schon von anderen Handwerkern hier). Persönlich hätte ich es dann einfach nur fair gefunden, erst gar kein Angebot zu versprechen.

Gestern schrieb ich dann noch drei weitere Unternehmen an (telefonisch ließ sich bei keinem jemand erreichen), von denen sich jetzt einer gemeldet hat. Kommenden Dienstag gibt es dann eine Vor-Ort-Besichtigung und hoffentlich zeitnah ein Angebot.

Mit viel Glück bekommen wir vielleicht in diesem Jahr noch die Ergänzung für den Zaun.

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