Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Für Touristen in Großstädten gibt es kein Grundrecht zum feiern. Die Partystadt ist Ärgernis und Irrglaube.

Ruhe auf dem Land

Beginnen wir mit einer Desillusionierung. Das Landleben ist nicht so beschaulich, wie es gerne romantisch von gestressten Stadtmenschen verklärt wird. Gerade am Wochenende können morgens bei geöffnetem Fenster Vögel besonders laut sein, wenn man selber noch länger schlafen will. Von Nachbarn, die um diese Zeit bereits Rasen mähen, reden wir erst gar nicht. Wirklich Stille wird man nur an wenigen Orten finden.

Bezogen auf meine aktuelle Wohnsituation stellt der Umzug von Köln nach Emden auf jeden Fall eine Verbesserung dar. Ja, beim schreiben dieser Zeilen höre ich gerade den Rettungswagen. Auch gibt es, so fortschrittlich ist man in Ostfriesland bereits, Straßen, auf denen Autos fahren. Zugeben muss man ebenfalls, dass es in Emden Jugendliche gibt, die Abends gerne mal über die Stränge schlagen.

Anders als Köln ist Emden keine Großstadt und somit auch keine bei Touristen und anderen beliebten Partystadt — wo der Hund begraben liegt, feiert niemand. Man muss an dieser Stelle Köln allerdings zugutehalten, dass es auch Widerstand gegen den Ruf als Partystadt gibt. Über die Anwohner:innen am Brüsseler Platz liest man immer wieder.

Mission Partystadt

Bereits in Köln schlug ich mich auf die Seite der Anwohner. Feiern ohne Rücksicht, so was widerspricht einfach meiner Erziehung. Andere sind dagegen völlig schamlos und sind dem Kult der Partystadt verfallen. Selbst Einwohner:innen der betroffenen Stadt, selten aber Anwohner:innen der befallenen Stadtteile.

Anders als die Person, welche für die Süddeutsche Zeitung den Artikel „Platz da“ über sogenannten öffentlichen Raum geschrieben hat, bin ich nicht für Versöhnung. Schon gar nicht, wenn die sehr einseitig ausfällt und zulasten der Anwohner:innen geht.

Es ist kein Nachtbürgermeister notwendig, sondern das Einfordern von Rücksicht. Niemand mag es, wenn jemand einem in den Vorgarten uriniert. Warum soll das in der Stadt anders als sein als auf dem Land? Beim lesen des Artikels kam mir immer wieder die Galle hoch. Einfach deshalb, weil manchen Menschen einfach die Einsicht in Dinge fehlt, die selbstverständlich sein sollten.

Man muss aus einer Stadt weder eine Partystadt noch einen Friedhof machen. Es geht auch nicht darum, jeden Spaß zu verbieten. Sondern darum, Städte auch für diejenigen als lebenswert zu erhalten, die darin leben und wohnen. Es sind eben keine coolen Kulissen, in denen sich besonders gut abfeiern lässt.

Im Übrigen, als die Betroffenen verhöhnend fand ich am Ende des Artikels den Vorschlag, als Anwohner:innen, es doch einfach mal mit Gelassenheit zu versuchen und sich mit einer Bierflasche zu den Feiernden dazuzusetzen.

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