Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Noch vor Beginn des Sommers schockieren Eisdielen in Ostfriesland mit einer Preissteigerung ihre Kundschaft.

Eis ist heiß

Manchmal beginnt mein Tag mit einem herzhaften Lachen beim Frühstück. In den vergangenen Wochen gab es kaum Meldungen in der Zeitung, die dafür Anlass gegeben hätte. Auch der Bericht über die neuste Entscheidung des niedersächsischen Landtags führt leider nicht zur Heiterkeit. Mehrheitlich stimmt man für eine Gasförderung vor Borkum zu. Das ist keine gute Nachricht für die Insel und das Weltkulturerbe Wattenmeer.

Dafür fand ich den Artikel „Warum kostet die Kugel Eis jetzt bis zu 1,50 Euro?“ wirklich ausgesprochen witzig. Sogar in mehrfacher Hinsicht. Auf jemanden, der 10 Jahre in Köln gelebt hat, wirkt die Empörung vieler Emder:innen über die unerhörte Preissteigerung einfach nur zu komisch. Bei ernstzunehmenden Eisdielen lag der Preis nämlich schon länger über dieser Marke. Wir wollen hier aber nicht Emden mit Köln vergleichen. Die Seehafenstadt hat mit der zementierten Hoffnungslosigkeit am Rhein wenig gemeinsam.

Kommen wir aber zum Artikel selber. Als Ursache für die Preissteigerung wird angeführt, die Preise für die Zutaten wären gestiegen. Wohlgemerkt, Zutaten, nicht Lohn- und Nebenkosten.

Hinterfragt Preissteigerung!

Schauen wir uns mal im Hinblick auf die Preissteigerung an, was üblicherweise in ein Eis gehört. Milch, Zucker, Sahne, Wasser — das sollten die Basiszutaten eines handwerklich hergestellten Eis sein. Von Bauer ist immer wieder zu hören, ihre Milch sei viel zu günstig. Tatsächlich lässt sich keine signifikante Preissteigerung bei Milch und Milchprodukten erkennen. Beim Zucker gibt es starke Schwankungen, seit dem Wegfall der Zuckermarktordnung am 1. Oktober 2017 hat sich der Preis für Zucker aus der EU zunächst nach unten entwickelt, bevor er sich langsam wieder anstieg —ohne jedoch sein ursprüngliches Niveau zu erreichen.

Eine andere Facette hinsichtlich des Preises ist jedoch das, was das verkaufte Speiseeis eigentlich ausmacht. Die Geschmacksrichtung, also die Zutat, um aus einem Milcheis ein Schokoladeneis zu machen. Gute, falsche Sorte gewählt, denn der Kakaopreis unterliegt auch starken Schwankungen. Die Rohzutat ist eher günstiger geworden. Bei Erdbeereis sieht das allerdings anders aus.

Wenn man behauptet, die Zutaten wären teurer geworden, würde ich mir als Verbraucher etwas mehr Transparenz wünschen. Für höhere Personalkosten habe im Übrigen vollstes Verständnis. Keines dagegen habe ich für die oft bittere Wahrheit hinter „hausgemachtem Eis“. Hausgemacht bedeutet nämlich erstmal nur, dass es im eigenen Laden zusammengerührt wurde. Für Verbraucher nicht erkennbar ist, ob es auch traditionellen Zutaten oder einer Fertigmischung hergestellt wurde, wie der NDR bereits 2020 berichtete. Wenn die Hersteller dieser Mischungen mehr verlangen, führt das natürlich auch zu einer Preissteigerung in den Eisdielen…

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