Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Der Krieg in der Ukraine zeigt uns mit aller Deutlichkeit die Folgen der Globalisierung. Für manche wird sie zur Falle.

Kleine Standortbestimmung

Gibt man das Stichwort Globalisierung in die Suchmaske von Google ein, findet die Suchmaschine über 16.700.000 Ergebnisse. Da muss man erstmal kurz schlucken. Sich kurz und schnell einen Überblick zu verschaffen, wird angesichts der Menge Treffer schwer. Zumal man auch noch die Quellen sortieren muss. So ist Unterrichtsmaterial zum Thema Globalisierung schnell gefunden. In praktischen Portionsgrößen, die einem als Lehrer:in alles abnehmen — allerdings nicht das Hinterfragen der Quelle.

So dürfte beispielsweise das Institut der deutschen Wirtschaft Köln nicht ganz unvoreingenommen bei der Zusammenstellung gewesen sein. Wirtschaft und Schule gab es für mich damals im SoWi-Unterricht ganz ohne Material von außen. Wobei, mein Lehrer war Abonnent der Frankfurter Rundschau, was auch etwas über seine Ausrichtung zum Ausdruck brachte.

Persönlich würde ich mich nicht als Globalisierungsgegner beschreiben. Es gibt Vor- und Nachteile, die man gegeneinander abwägen muss. Allerdings global, sondern von Fall zu Fall. Regionalität ist im Prinzip eine feine Sache, allerdings hundertprozentig nie erreichbar. Selbst wenn man Biokartoffeln direkt vom Bauern kauft. Werden diese nämlich in eine mit seinem Logo bedruckte Papiertüte gepackt, stellt sich die Frage, wo die Tüte und die Farben für den Druck herkommen.

Risiken der Globalisierung

Auf der eine Seite steht Globalisierung für die Vernetzung und Optimierung von Wirtschaftsprozessen. Andererseits sorgt sie für Elend und Armut. Nicht nur in sogenannten Billiglohnländern oder in Ländern der sogenannten „Dritten Welt“, sondern sogar bei uns in Deutschland. Mit dem Fall europäischen Zuckermarktordnung müssen sich auch Rübenbauern in Erkelenz der internationalen Konkurrenz stellen. Zucker wurde günstiger, aber Preis dafür ist ein harter Existenzkampf. Die Folgen, etwa massiver Einsatz von Dünger und Mitteln zur Schädlingsbekämpfung, tragen wir als Gesellschaft.

Nicht nur seit Beginn des Kriegs Russlands gegen die Ukraine zeigt sich zudem, dass Globalisierung auch eine erhebliche Abhängigkeit voneinander bedeutet. Fernab von Öl und Weizen ist für mich ein kleines Berliner Start-up. Seit einiger Zeit schon greife ich bei fertiger Gemüsebrühe auf die Produkte der Firma SweMa zurück (die enthalten nämlich mehr deutlich weniger Salz). Die Zutaten stammen aus der Region, es frisch vor Ort in Berlin produziert und abgefüllt. Da kommt dann der Knackpunkt ins Spiel. Die Gläser für das Produkt stammen aus der Ukraine. Aktuell ist man bei SweMa froh, wenn man von 30 bestellten Paletten mit Gläsern sieben bekommt. Einfach umstellen kann man auch nicht, da die Deckel genauso wie die Etiketten auf die Glasform ausgelegt sind. Mal eben der Hersteller wechseln beim Glas geht nicht so einfach — abgesehen davon hat die Glasindustrie aufgrund der Engpässe auf dem Gasmarkt ganz eigene Probleme.

2 Kommentare

  1. Danke für den Artikel! Ich kann allerdings nicht komplett zustimmen. Globalisierung bedeutet vor allem die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Wirtschaftsräumen. Beim Blick zurück in die geschichte zeigt sich, dass in den letzten 100-200 Jahren die Zusammenarbeit stark zugenommen hat, auf eine gemeinsame Sprache gestützt wurde (in dem Fall Englisch), dass sich Vereinigungen gebildet haben und dass Grenzen immer weniger wichtig wurden. Ich sehe in der digitalen Transformation keinen Nachteil, ebenso wenig in der weltweiten Zusammenarbeit und der Integration, die dadurch stattfindet. Manche Wissenschaftler gehen sogar so weit, dass sie voraussagen, dass die Grenzen zwischen Kulturen aufgeweicht werden und Sprachen, Religionen und Volksgruppen verschmelzen. Ich glaube aber, dass wir uns eine Menge bewahren können, was die Kultur der Menschheit ausmacht.

  2. Ebenfalls danke für den Impuls. Ja, es gibt noch die andere Seite der Globalisierung, aus dem kulturellen Blickwinkel. Da sieht die Bilanz ganz anders aus. Verschmelzung von Sprachen und Kulturen halte ich für eine eher positive Entwicklung.

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