Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Schattenkönig sucht Wirklichkeit

Über die Regierungsbildung in NRW entscheiden nicht die Wähler:innen. Der Schattenkönig Olaf Scholz ernennt den Ministerpräsidenten.

Elizabeth II. als Handpuppe

Die letzte Queen’s Speech fand ohne die Queen statt. Sie ließ sich durch ihren Sohn Prinz Charles vertreten. Symbolisch anwesend blieb sie dennoch durch die Präsenz der Imperial State Crown. Als Festland-Europäer bleibt einem die Zeremonie zur feierlichen Parlamentseröffnung seltsam fremd. Streng genommen ist die Queen’s Speech nicht die Rede der Königin, sondern die der amtierenden Regierung, die durch die Königin ihr Regierungsprogramm verlesen lässt. Mit anderen Worten, die Queen ist in dem Moment quasi die Handpuppe von Premierminister Boris Johnson.

Apropos Puppe. Von Mattel gab es zum 70. Thronjubiläum der Queen eine Sonderedition der Barbie. Weißes Kleid, blaue Schärpe, funkelnde Krone auf weißen Haar und ein Gesicht, aus dem jegliche Falten mit dem Glätteisen verbannt wurden. Immerhin, die Queen ist für 112 Euro recht volksnah. Wobei die limitierte Auflage extrem schnell ausverkauft war.

Wie man, wie die Süddeutsche Zeitung, Prinz Charles jedoch als Schattenkönig bezeichnen kann, bleibt zumindest mir ein Rätsel. Dazu fällt einem eher Game of Thrones ein. Oder die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen. Zumindest beim Schattenkönig Olaf Scholz klaffen derzeit Wunsch und Wirklichkeit eklatant auseinander.

Scholz der Schattenkönig

Das mit dem Schattenkönig Scholz muss man freilich erklären. Schließlich ist er kein König, sondern Kanzler. Ein Schattenkanzler ist eher nicht, da er ganz offiziell das Amt innehat. Im Gegensatz zu Gerhard Schröder, der mitunter so agiert, als wäre er noch Kanzler. Zumindest wirkt Scholz des Öfteren so, als würde er sich gerne vor seiner Verantwortung im Schatten verstecken (siehe Unterstützung der Ukraine).

Also kein König Scholz, aber jemand, der gerne aus dem Schatten heraus in NRW einen König machen würde. Tatsächlich hofft Scholz weiter auf die Ampel, eine Koalition von SPD, FDP und Grünen — ein Klein-Berlin am Rhein.

Mal ganz ehrlich, bei einem desaströsen Wahlergebnis von 26,7 Prozent in NRW für die SPD (in Köln würde man von einem historisch niedrigem Pegelstand sprechen) muss man irgendwas geraucht haben, um daraus einen Regierungsauftrag herauszulesen.

„Weil besser möglich ist“, titelte die NRW-SPD auf Wahlplakaten. Dazu hieß es dann noch „Für euch gewinnen wir das Morgen.“ Fast an der Wirklichkeit dran, denn tatsächlich heißt es (wie wir seit Sonntag wissen):

Für euch gewinnen wir erst Morgen, weil besser möglich ist.

Eins steht auf jeden Fall fest. Eine Puppe zur Ehrung von Olaf Scholz langjähriger Kanzlerschaft wird es nie geben.

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