Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Noch immer atmetet Bernd gleichmässig. Seit Wochen lag ein grauer Schleier über seinen Augen, die ihn nur noch Schemen im Zimmer des Krankenhauses erkennen ließen.

Jedoch erkannt er schon längst nichts mehr bewusst. Seit Wochen befand er sich in einem Dämmerzustand. Tagsüber gab es Momente, in denen er unfeinere Laute von sich gab. Nachts verhielt er sich zur Freude des Pflegepersonals ruhig.

Eine junge Hand richtete ihm das Kissen und sorgte für eine bequeme Lage. Die Augen von Bernd blickten zur Decke. Die selbe Hand hob das Tagebuch vom Boden auf und legte es zurück auf den Nachttisch. Im gesamten Buch stand nur ein Wort in krakeliger Schrift. Bernd. Der Rest bestand aus leeren Seiten.

Ursprünglich sollte Bernd in dem Buch laut Willen seines Betreuers seine Gedanken festhalten. Ein Versuch, zumindest ein Stück weit die Demenz in Schach zu halten. Der Verfall überholte jedoch die gute Absicht.

Leise schloss der Pfleger die Tür und ließ Bernd zurück in der Stille. Auf dem Flur traf er den Stationsarzt. Mehr aus Neugier denn echtem Interesse sprach er ihn an.

„Wenn es soweit ist, wen sollen wir benachrichtigen, wissen sie das?“

„Da gibt es niemanden mehr. Nummer 12 hat keine Angehörigen.“

Achselzucken wandte sich der Pfleger dem Mehrzweckwagen zu. Zumindest der Patient in Zimmer 13 war gesprächiger.