Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Bernd warf einen Blick auf den Fahrplan. Einer der seltenen Momenten mit zu viel Zeit in seinem Leben.

Er hasste es, zu warten. Missmutig betrat er den Zeitschriftenladen, der Geruch von Papier alte Erinnerungen aufsteigen ließ. Sein Zufluchtsort bei vielen Geburtstagsfeiern in der Wohnung seiner Großeltern. Mit ein paar Mark ausgestattet durfte er sich ohne Erwachsen dorthin begeben. Sogar bestimmte Hefte mit Plastikspielzeug durfte er sich kaufen, die sonst tabu waren.

Im Inneren des Ladens erinnerte wenigen früher. Seitlich vom Verkaufstresen saß ein bärtiger junger Mann und strickte. Neben ihm auf den Tresen stand eine Rolle Klopapier mit Mütze. Sowas kannte Bernd noch von seiner Oma. Die Geschmacklosigkeit lag dann hinten im Auto, direkt neben dem Wackeldackel.

Wahllos blätterte Bernd durch verschiedenen Zeitschriften. Dem strickenden Mann schien es egal zu sein. So viel Gleichgültigkeit wäre Bernd früher an anderer Stelle recht gewesen. Selbst eine Dreiminus statt einer Drei sorgte zu Hause schon für Ärger. Bei einer Vier oder schlimmer hieß es stets, Bernd sei faul und spiele zu viel. Der Vater von Bernd nutze das damals als Vorwand, das gesamte Spielzeug von Bernd in einem Zimmer unter Verschluss zu halten. So lange, bis Bernd mit besseren Noten nach Hause kam.

Aufgewühlt verließ Bernd den Zeitschriftenladen und stieß in der Vorhalle des Bahnhofs fast mit einer Frau zusammen. Zu ihrem Business Anzug trug sie eine Perlenkette und zog einen schwarzen Alu-Rollkoffer hinter sich her. Gleichzeitig versuchte sie mit der linken Hand ein mit Stroh ausgelegtes Kasten aus Plexiglas zu halten, in dem sich eine Schildkröte befand.