Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Auf dem Weg zum Bahnhof fuhr das Taxi an einem alteingesessenen Möbelgeschäft vorbei. Aus dem Laden stammte der erste Küchenschrank seiner Eltern.

Automatisch musste Bernd wieder an das Foto aus der Wohnung von damals denken. Es zeigte als ihn Vierjährigen heulend auf den Küchenschrank sitzend. Seiner Vater stand unten und grinste seitlich in die Kamera.

Bernd bezeichnete den Moment nach wie vor als prägende Erfahrung. Hilflos der Willkür seines Vaters ausgeliefert, während Mutter nichts unternahm außer ein Foto zu machen. Andere in seiner Familie hatten sich über das Foto amüsiert. Für Bernd gab es auch nach vielen Jahren keinen Anlass, über die Situation zu lachen. Zu gut wusste er, was man ihm noch alles angetan hatte. Dinge, von denen es aus gutem Grund keine Fotos gab.

Ein Zahl riss Bernd aus seinen Gedanken. „Das macht dann zwölf Euro zwanzig.“ Die bezahlte Bernd passend. Hier musste er sich keine Freunde mehr machen. Vom Taxistand lief er über die Bushaltestellen vorbei an der ehemaligen Gepäckabfertigung zum Bahnhofsvorplatz. Durch die Doppelglastüren kam er in die Vorhalle, die sich in ihrer Dreckigkeit kaum verändert hatte. Statt eines Hotels gab es jetzt einen Schnellimbiss, der Zeitschriftenladen rechter Hand sah wie früher aus. Statt eines Fahrkartenschalters erwartete die bahn Selbstbedienung am Automaten.