Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Bernd griff in die Tasche seiner Wachsjacke und zog das Notizbuch mit dem fleckigen schwarzen Einband hervor. Eines von den vielen Tagebücher, die ihm sein ehemaliger Freund hinterließ. Bernd, Bernd, Bernd. Über viele Jahr hinweg sah er immer wieder seinen Namen in den Tagebüchern auftauchen. Der Tote schien zu Lebzeiten regelrecht besser von Bernd gewesen zu sein.

Selbst der Vorfall an der Universität in Wuppertal tauchte in einem der Notizen aus. Bis auf Bernd und die andere darin verwickelte Person konnte davon niemand etwas wissen. Nach wie vor gingen Bernd diese Frage und weitere durch den Kopf. Selbst hier auf dem Friedhof fühlte er sich beobachtet.

Im Tagebuch des Toten schlug er die Seite mit dem heutigen Datum auf. Dort las er: „Bernd stand am Rande der Wiese und versuchte, die Platz meiner Urne zu erahnen. Er fühlte sich dabei beobachtet. Hastig schlug er das Notizbuch wieder zu.“

Mit einer schnellen Bewegung ließ Bernd das Tagebuch wieder in der Tasche verschwinden. Mit einem Mal spürte er die Wäre des Spätsommers nicht mehr. Die Kälte ließ ihn wie damals unter den Schlägen seines Vaters zusammenzucken. Wieder ein Toter, auf dessen Beerdigung er bewusst verpasst hatte. Mit dem Gefühl, hier endgültig fertig zu sein, ging Bernd zum Ausgang des Friedhofs.