Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Eine traurige Woche für katholische Kölner neigt sich dem Ende zu. Der Papst belässt Kardinal Rainer Maria Woelki im Amt.

Wolke auf feinster Sahne

Mit Dr. Oetker verbinde ich seit meiner Kindheit eine ganze Reihe von Dingen. „Man nehme Dr. Oetker“ gehört wohl zu einem der Werbesprüche, die sich fest im Gehirn verankern haben. Backmischung von Dr. Oetker kamen und kommen zum Teil noch bei meiner Frau und mir ins Haus. Wir müssen auch gestehen, ab und an eine der TK-Pizzen zu essen, auch wenn die selbstverständlich nicht wie beim Italiener schmecken.

Selbst Bielefeld verbinde ich mit Oetker, schließlich hat das Unternehmen dort seinen Stammsitz. Von Oetker gibt es auch einen Pudding mit „Wolke auf feinster Sahne“. Ob so ein Nachtisch Sünde ist, muss ich für mich zum Glück nicht beantworten. Schließlich bin ich nämlich nicht katholisch. Daran konnten Gott sei Dank 10 Jahre in Köln nichts ändern.

Was für eine Einleitung — es ist jedoch schwierig, sich einem Thema zu nähern, bei dem man auf der einen Seite völlig ahnungslos ist. Und einem auf der anderen Seite absolut das Verständnis fehlt. Mit anderen Worten, ich kann die Faszination des katholischen Glaubens nicht nachvollziehen. Schließlich gibt es mit dem Protestantimus seit dem 16. Jahrhundert ein verbessertes Update für die christliche Religion.

Die nachfolgenden Äußerungen zum Fall Woelki muss man daher im Zusammenhang mit meinen persönlichen Ansichten über den katholischen Glauben sehen.

Ex-Erzbischof Woelki?

Der Umgang mit sexuellem Missbrauch durch katholische Würdenträger ist etwas, mit dem sich reihenweise Aktenordner füllen lassen. Die lässt man allerdings, auch in Köln, lieber im Keller verschwinden. Auch Unbeteiligte hüllen sich lieber in Schweigen und hoffen, die Vorfälle würden sich im Nebel vor der Öffentlichkeit verbergen.

Selbst mit doppeltem Abstand hier in Emden habe ich die Entwicklung in Köln in der Causa Woelki. Jeder Politiker mit Anstand wäre in so einer Situation, in die sich Woelki durch sein Verhalten und Nichthandeln selber manövriert hat, längst zurückgetreten. Stattdessen hat er jetzt von höchster irdischer Instanz eine Art Freibrief bekommen.

Eine viereinhalb Monate lange Auszeit wird sich Rainer Maria Woelki nehmen und sein Amt als Erzbischof von Köln ruhen lassen. Das lässt die Frage eine Rückkehr bewusst offen. Die tiefen Wunden wird so was nicht heilen lassen, die Krise in Köln ist damit nicht überwunden. Auch Verantwortliche in der zweiten Reihe wie die Weihbischöfe Ansgar Puff und Dominikus Schwaderlapp kommen fast ungeschoren davon.

Für mich ist das in doppelter Hinsicht unglaublich. Genauso wenig verstehe ich jedoch nicht, wie jemand ernsthaft noch zur katholischen Kirche halten kann. Eine Institution mit fragwürdiger Sexualmoral, einem rückwärtsgewandten Frauenbild und verklemmten Männern in Rockkleidern.

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